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Hinter den Türen der Tübinger Kinos

Neues Jahr, neues Kino

Hat das Kino Arsenal jetzt eigentlich geschlossen oder nicht? Warum wird das Kino Museum jetzt wieder beleuchtet? Und was ist eigentlich an der Blauen Brücke los? Die Tübinger Kinolandschaft ist ein kleines Labyrinth für sich. Die Kupferblau bringt Licht ins Dunkel.

Es war einmal…

Seit gut 90 Jahren gibt es Kinos in Tübingen und das Kino Museum ist mit das älteste unter ihnen. Seit 1950 wurde es von der Familie Lamm betrieben, aber nach Corona hatten die Tübinger Lichtspiele einige Verluste einzustecken. „Das Kino wurde komplett kaputtgespart“, meint ein ehemaliger Mitarbeiter. Es ginge nur noch um Zahlen, nicht mehr um die eigentliche Kinokultur. Das Kino Blaue Brücke blieb auch nach der Pandemie geschlossen und galt weitestgehend als aufgegeben, vor allem nachdem die Familie Lamm das Gebäude verkaufte. Auch im Kino Museum lief es nicht besonders gut: Nur wenige Besucher*innen pro Vorstellung, kaum Originalversionen (für die musste man ins Cineplex nach Reutlingen fahren), und die Bar wurde kurz nach Beginn der Abendvorstellung geschlossen. Gemütliches Beisammensein, wie im Arsenal, gab es also auch nicht. Zudem wurden viele langjährige Mitarbeitende entlassen. Kurzum: die Stimmung war im Keller und genauso die Zahlen.

Der Kinosaal des Kino Arsenal. Bild: Jana Svetlolobov.

Der Name ist Schuffert. Carsten Schuffert.

Dann ein Lichtblick: das Kino Museum soll verkauft werden, an niemand anderen als Carsten Schuffert, der seit Jahren sehr erfolgreich das Tübinger Sommernachtskino leitet. Bekannt für seine entschlossene Art und seine langjährige Expertise, verspricht die Übernahme einen Schwung in die richtige Richtung. Das Kino an der Blauen Brücke feierte im vergangenen Dezember seine Wiedereröffnung, und die Fassade des Kino Museum erstrahlt in neuer Beleuchtung.

Doch ist die Zukunft wirklich so rosig? Und hat sich an der Moral etwas verändert? Der neue Besitzer zeigt sich auf jeden Fall engagiert, die Tübinger Kinoszene aus der Versenkung zu holen. Das Arsenal, das Ende Februar (nun wirklich) endgültig schließen soll, bekommt einen eigenen Saal zugeteilt, in dem weiterhin Arthaus Kino gezeigt wird. Ein Freundschaftsbekenntnis an Stefan Paul, der das Arsenal sein Lebenswerk nennt und auch die gleichnamige Produktionsfirma leitet. Doch Schuffert und seinem Geschäftspartner Robert Weihing ist klar, dass es mehr brauchen wird als ein paar neue Lichter und eine fancy Bar, um die Kinokultur in Tübingen zu retten. Es reicht es nicht mehr, bloß Tickets zu verkaufen. Das Publikum möchte abgeholt werden, mit Events, die über die Leinwand hinausgehen. Kino muss wieder zu einem richtigen Erlebnis werden. Dieser Devise wollen Schuffert und Weihing folgen: Lesungen, Konzerte, und natürlich weiterhin Filmfestivals wie die Französischen Filmtage oder das CINELATINO sollen Teil der Bewegte Bilder Kino GmbH & Co.KG werden. Ein buntes Angebot für Jung und Alt, für Popcorn-Fans und Cineasten. So werden nun (endlich!) viele Filme auch in Originalfassung gezeigt, wo zuvor die deutschen Synchronisierungen stark überwogen.

Was die Zukunft bringt…

Die Hoffnungen steigen und die Ansprüche sind hoch. Nun fehlt noch eins – das Publikum. Einen extra Schüler- oder Studirabatt gibt es leider immer noch nicht, die Tickets liegen für Erwachsene bei elf Euro. Happig für den durchschnittlichen Studi-Lifestyle – vielleicht sollte man eine Petition starten… Wie wär’s mit #MontagsgratisPopcorn? Wir wären sofort am Start.

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Beitragsbild: Isabel Jarama

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2 Kommentare

  1. […] euch kennen die Firma auch als Veranstalter des Sommernachtskinos oder aus unserem Artikel über die Tübinger Kinolandschaft. Als neue Inhaber des Kino Museums luden Bewegte Bilder den Alumni und Voodoo Jürgens auch nach […]

  2. Simona B. says:

    Ich würde öfter ins Kino gehen, wenn es billiger wäre. Das wäre das erste, was man verändern müawte, um mehr Leute in die Kinos zu locken

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