Allgemein Hinter Türen Themenwoche

Hinter den Türen eines Assessmentcenters

– bei der Studienstiftung des deutschen Volkes

„Ist das nötige Geld vorhanden Ist das Ende meistens gut.“ Bertold Brecht bringt es in diesem Zitat aus der Dreigroschenoper auf den Punkt. Weil finanzielle Sicherheit jedoch nicht jedem in die Wiege gelegt wurde, gibt es einige andere Wege für die Schaffung guter Studienbedingungen. Neben Bafög und Studienkrediten bieten auch vielfältige Fördermöglichkeiten von Stipendienstiftungen Studierenden eine Perspektive. Darüber, wie man Stipendiat*in wird, wie sich die Bewerbungsabläufe und die Auswahlverfahren gestalten und wie überhaupt die Chancen stehen gefördert zu werden, herrscht unter Studierenden oft Verwirrung. Die Kupferblau hat mit zwei Teilnehmern eines Assessmentcenters der Studienstiftung des deutschen Volkes über ihre Erfahrung gesprochen.

Stipendienstiftungen gibt es in Deutschland viele. Darunter sind beispielsweise die politisch der SPD nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung als Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und die Studienstiftung des deutschen Volkes als ältestes und größtes deutsches Begabtenförderungswerk. Durch sie werden Stipendiat*innen finanziell und ideell – das bedeutet zum Beispiel durch Workshops und Akademien – während ihres Studiums unterstützt. Wie sich die Förderung im Detail gestaltet, hängt in erster Linie vom Konzept der Stiftung sowie von der eigenen finanziellen Situation ab. An dem Auswahlverfahren der Studienstiftung des deutschen Volkes nahmen in den Jahren 2017 bis 2022 im Durschnitt jährlich 8884* Personen teil. Von ihnen werden im Durschnitt 26,9% gefördert. Markus und Timo** haben der Kupferblau erzählt, wie ihr Kontakt mit der Studienstiftung entstanden und wie das Auswahlverfahren abgelaufen ist.

Wie kam der Kontakt mit der Studienstiftung zu Stande?

„Der Kontakt ging anfangs eben über das Prüfungsamt. Der Ablauf der Bewerbung wurde uns über Mails und über das Intranet der Studienstiftung mitgeteilt. Das hat mich natürlich gefreut und auch ein bisschen überrascht, dass ich da vorgeschlagen wurde.“ – Markus

„Tatsächlich einfach über die Mail vom Prüfungsamt. Da wusste ich zum ersten Mal überhaupt: Ach so ich krieg eventuell ein Stipendium. Vorher hatte ich mich noch nicht auf ein Stipendium beworben. Ich hatte ein paar Mal überlegt, aber bin dann nie dazu gekommen.“ – Timo

Beide waren überrascht und hatten sich nicht in der Position verortet als Anwärter für ein Stipendium in Frage zu kommen. Trotzdem waren sie auf einmal mittendrin.

 

Wie lief das Bewerbungs- und Auswahlverfahren ab?

„Ich musste mich dann mit einem Bewerbungsbogen, tabellarischen Lebenslauf, ausführlicher Lebenslauf, Empfehlungsschreiben von einem Prof./Doktor*in, Abi-Zeugnis und Transkript of Records bewerben. Dann wurde die Bewerbung bearbeitet und ich wurde auf ein Auswahlseminar eingeladen. Kurz vor dem Auswahlseminar sollten wir unser aktuelles Transcript of Records nochmal hochladen.“ – Markus

In Markus und Timos Erfahrung fand das Auswahlverfahren als eine Art Wochenendseminar in einem Tagungshaus statt. Die anderen Teilnehmer*innen waren Studierende anderer baden-württembergischer Universitäten wie Freiburg, Heidelberg und Mannheim. Außerdem wurden die Stipendienanwärter*innen grob nach Fachrichtung sortiert. Während des Verfahrens war der Ablauf eng getaktet. Es wurden zwei Einzelgespräche mit Mitgliedern der Auswahlkommission geführt. Eines davon war fachfremd und drehte sich um Persönliches wie Hobbys, Interessen und ehrenamtliches Engagement. Das zweite Gespräch orientierte sich am jeweiligen Studienfach. Das jeweilige Kommissionsmitglied besaß Kenntnisse in diesem Bereich. Hier wurde über Studieninhalte und aktuelle Thematiken dieser Disziplin gesprochen. Der Inhalt beider Gespräche war bei den Teilnehmenden stark unterschiedlich. Einzuschätzen wie die persönliche Leistung bewertet wird fiel Timo und Markus während des Wochenendes schwer. Timo empfiehlt zur Vorbereitung den eigenen Lebenslauf nochmal durchzulesen. 

Präsentieren, diskutieren, den Überblick behalten

Neben den beiden Gesprächen fanden außerdem Diskussionsrunden in Fünfergruppen statt. Die Teilnehmer*innen hatten vor dem Wochenende eine Präsentation vorbereitet. Das Thema sollte kontrovers diskutiert werden. Von Lieferkettengesetz bis Klimakrise war alles erlaubt. Das Referat sollte zehn Minuten füllen, danach begann die zwanzigminütige Diskussionsrunde, die von der vortragenden Person moderiert wurde. Während der anderen vier Vorträge durfte mitdiskutiert werden. Für Markus und Timo war es gar nicht so einfach vorzutragen, zuzuhören, zu moderieren, zu argumentieren und gleichzeitig auf das eigene Verhalten, Gesprächsregeln und die anderen Teilnehmer*innen zu achten. Abends waren sie dann an beiden Tagen völlig erschöpft.

Neben zwei Einzelgesprächen sind Diskussionsrunden Teil des Auswahlverfahrens. Bild: Pixabay

Eine andere Welt – eine spannende Erfahrung

Für Markus und Timo war das Auswahlverfahren eine aufregende, spannende, anstrengende und sehr positive Erfahrung.

“Ich habe mich aber immer von den anderen Teilnehmern und den Kommissionsmitgliedern immer gut behandelt gefühlt. Die Atmosphäre während des Wochenendes war wirklich sehr angenehm und konstruktiv.” – Markus

Beide betonen, wie spannend und wertvoll die sowohl Teilnahme am Auswahlverfahren als auch der Austausch mit anderen Teilnehmenden für sie war.

“Ich würde anderen Studierenden empfehlen, in Einzelgesprächen einfach man selbst zu sein, sich aber im Vorhinein schon intensiv kritische Gedanken zum eigenen Studiengang, der eigenen Person und seinem Lebenslauf zu machen.” – Markus 

Stipendiat*in werden – einfach mal ausprobieren!

Markus und Timo haben während diesem Wochenende prägende Erfahrungen gesammelt. Wenn man sie fragt was sie anderen Studierenden empfehlen ist ihr Tipp: Einfach mal ausprobieren. Die Bewerbung wegschicken und schauen was passiert. Unterstützung finden Interessierte unter anderem bei der Zentralen Studierenden Beratung der Universität

Wer sich jetzt fragt wie es Stipendiat*innen der Stipendienstiftung des deutschen Volkes ergehen kann, findet die Antwort in der neuen Printausgabe der Kupferblau.

*Alle Daten und Fakten stammen aus dem Jahresbericht von 2022 der Studienstiftung

**Namen wurden zur Wahrung der Privatsphäre abgeändert

Beitragsbild: Pixabay

 

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