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Evergreens: Wo es Klimaschutz gibt, gibt es Gegner*innen

Die Geschichte einer wachsenden Umweltbewegung ist auch die Geschichte ihrer Gegner*innen. Sie zweifeln Erkenntnisse der Wissenschaft an, schaffen alternative Fakten, verändern Statistiken und wollen vor allem eines: Unsicherheit schüren. Aber warum? Was motiviert Menschen dazu, sich gegen den Klimaschutz einzusetzen? Und wie gut organisiert ist die Gegenbewegung wirklich? Die Kupferblau hat sich auf die Suche nach ihren Wurzeln gemacht.

Hier geht es zum Evergreen Artikel über die Anfänge des Umweltaktivismus.

Man findet sie, sobald man beginnt, die Klimabewegung zurückzuverfolgen. Skeptiker*innen und Gegner*innen gehen seit Jahrzehnten Hand in Hand mit Umweltschützer*innen. Dass dieses Verhältnis für beide Seiten eher unfreiwillig ist, ist klar. Um die Geschichte der Gegenbewegung zu verstehen, müssen wir uns mit mehr beschäftigen als ‚nur‘ mit Umweltschutz. Denn auch generelle Wissenschaftsskepsis und – wer hätte es gedacht – kapitalistische Interessen spielen eine wichtige Rolle.

Da, wo der Zweifel gesät wird

Aber zunächst einmal…wer sind eigentlich die Gegner*innen des Umweltschutzes? Allein diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. In Bezug auf den Klimawandel unterscheidet man zwischen Klimawandelskeptiker*innen und -leugner*innen.

Erstere zweifeln inzwischen fest etablierte, wissenschaftliche Aussagen zu diesem Thema an, etwa dass der Klimawandel menschengemacht ist. Letztere leugnen diese Erkenntnisse ganz.

Hier kann man sogar noch weiter differenzieren: Die Trendleugnung spricht sich gegen die Tatsache aus, dass sich die Erde erwärmt; die Ursachenleugnung streitet die menschliche Verantwortung ab und Anhänger*innen der Folgenleugnung glauben nicht, dass die Erderwärmung wirklich große Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten haben wird.

Neben diesen beiden Gruppen und ihrem grundsätzlichen Misstrauen hat sich, vor allem seit Klimaschutz immer häufiger ein Thema in politischen Debatten ist, noch eine Dritte gebildet. Anstatt den Klimawandel anzuzweifeln, spricht sie sich vor allem gegen (politische) Maßnahmen aus, die die Umwelt schützen sollen.

Den meisten Gegner*innen (egal welcher Art) geht es darum Zweifel und Ängste zu schüren und diese möglichst erfolgreich in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Die Wurzeln allen Übels

Branchen wie die Kohleindustrie fürchten Einschränkungen durch den Umweltschutz schon seit den 60er Jahren.

Diese Taktiken verfolgen Organisationen und Einzelpersonen auf der ganzen Welt nun schon seit über 60 Jahren. Genauso wie die Umweltbewegung schlagen nämlich auch ihre Gegner*innen feste Wurzeln in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts – und das besonders in den USA. Hier machen Naturschützer*innen in dieser Zeit vermehrt auf die negativen Folgen eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums aufmerksam und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die ersten Umweltschutzbestimmungen erlassen werden. Das kommt vor allem in der Industrie nicht gut an, die fürchtet, in den folgenden Jahren noch weiter eingeschränkt zu werden.

Gleichzeitig entstehen die Umweltbewegungen in den USA zusammen mit den sozialen Bewegungen der 60er Jahre, die konservative Denk- und Lebensmuster zunehmend ablehnen – auch das motiviert Menschen, sich gegen diese Entwicklungen zu stemmen. Die Gegenbewegung, die so entsteht, wächst aus konservativen Ängsten vor der Schaffung eines Sozialstaats und aus dem ökonomischen Willen, neoliberalistische Absichten auch weiterhin ungestört umsetzen zu können.

Wie ist das in Deutschland? Als Willy Brandt hier Anfang der 70er Jahre Umweltschutz vermehrt zum politischen Thema macht, scheint die Gegenbewegung noch nicht wirklich Wurzeln geschlagen zu haben. Das ändert sich mit seinem Nachfolger Helmut Schmidt, der selbst kein großer Fan von Naturschutz ist. Als Deutschland 1975 eine schwere Wirtschaftskrise durchlebt, schüren Industrie und Arbeitgebende die Angst, durch die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen könnten Arbeitsplätze im großen Stil verlorengehen und die Wirtschaft gefährdet werden – die Geburtsstunde einer Diskussion, die uns bis heute bekannt ist.

Das liebe Geld

Eine Allee voller parkender Autos. Gerade in Deutschland steht die Natur den Zielen der Automobilindustrie oft im Weg.

Schon die Anfänge der Gegenbewegung zeigen, dass ein Faktor aus dem Widerstand gegen Umwelt- und Klimaschutzbewegungen nicht wegzudenken ist – das liebe Geld. Egal ob in den USA, oder in Europa, bis heute haben Vertreter*innen bestimmter Industriebranchen ein besonderes Interesse daran, Klimaschutzdiskussionen in Frage zu stellen. Dazu gehören beispielsweise die Öl- und Kohle- aber auch Automobilindustrie, die weder wollen, dass ihre Tätigkeiten als klimaschädlich dargestellt werden, noch durch konkrete politische Maßnahmen eingeschränkt werden wollen.

Auch eine Gegenbewegung muss organisiert sein

Um ihre Interessen durchzusetzen, organisieren sich Umweltschutzgegner*innen heute in zahlreichen organisierten Gruppen, die – mehr oder weniger erfolgreich – versuchen, Politik und Gesellschaft umzustimmen. Meist findet sich in solchen Vereinigungen eine Kombination von Menschen, die von der Nutzung fossiler Energieträger profitieren und solchen, die konservative politische Ansichten vertreten.

Vor allem in den USA gibt es zahlreiche Beispielorganisationen: Das Cato Institute, das George C. Marshall Institute (bzw. sein Nachfolger CO2 Coalition) oder das Competitive Enterprise Institute zum Beispiel. In Europa existiert EIKE – das Europäische Institut für Klima und Energie. Hier handelt es sich tatsächlich um eine Gruppe von Klimawandelleugner*innen – genauer Ursachenleugner*innen. Das Institut streitet nämlich den menschengemachten Klimawandel ab, hält ihn für nicht begründbar und schiebt die Erderwärmung auf die Sonne. Es zeigt sich also – Auch bei uns sind Umwelt- und Klimaschutzgegner*innen jeder Art fest verwurzelt.

Um gegen den Klimaschutz vorzugehen hat die Gegenbewegung mittlerweile konkrete Taktiken entwickelt. Die reichen von der Publikation der eigenen Überzeugungen in Büchern und Zeitschriften über das ‚Anpassen‘ wissenschaftlicher Daten bis hin zur schlichten Fälschung von Fakten und Informationen. (Quelle)

Während es in den 80er und 90er Jahren oftmals noch darum ging, Umweltschutzmaßnahmen durch direkten Lobbyismus zu behindern, sind seit den 2000er Jahren auch subtilere Wege der Einflussnahme hinzugekommen – zum Beispiel wird jetzt vermehrt versucht, die öffentliche Meinung auf die eigene Seite zu ziehen.

Was letztlich wichtig ist

Es steht fest – wo Klimaschutz wächst, wachsen auch seine Gegner*innen und je mehr politische und öffentliche Aufmerksamkeit das Thema bekommt, desto lauter, überzeugender und besser organisiert werden auch die Gegenstimmen. Das kann man nicht verhindern.

Seit den 60er Jahren setzen ihre Gegner*innen einiges daran, die Umweltbewegung abzusägen – und das so nah an den Wurzeln wie möglich. Genau dieser Versuch, darf auch in Zukunft nicht gelingen. Sonst ist es mit Evergreens jeder Art auf diesem Planeten schneller vorbei, als uns allen lieb ist.

 

Beitragsbild: Paula Baumgartner 

Artikelfotos: Pixabay, Paula Baumgartner 

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