Politik

„Ohne Streik wird sich nichts verändern“ – Tarifvertrag für studentische Beschäftigte

Was wäre die Uni ohne die Arbeit der studentischen Hilfskräfte? Vermutlich würden viele Dinge nicht mehr funktionieren. Trotzdem sind die Arbeitsbedingungen oftmals schlecht: Mindestlohn, Kettenbefristung und dadurch Abhängigkeit von Vorgesetzen. Die Kampagne TV Stud will das ändern: Sie möchte einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte erkämpfen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dafür wird nun anlässlich der Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den Ländern gestreikt.

„Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“ skandieren die Demonstrierenden, als sich der Demozug am Dienstag, den 05.12.23 um 11 Uhr vor der Neuen Aula in Bewegung setzt. Anlässlich des Beginns der dritten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt mit den Ländern hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten des öffentlichen Dienst der Länder zum Streik aufgerufen. Die Beschäftigten fordern 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 500 Euro mehr. Doch auch Studierende sind mit von der Partie; genauer gesagt studentische Hilfskräfte. Sie fordern den Abschluss eines Tarifvertrags für studentische Hilfskräfte mit 16,50 Euro Stundenlohn, einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten und einem Urlaubsanspruch von 30 Monaten. Bisher haben Hiwis keinen Tarifvertrag, verdienen Mindestlohn – mit Bachelorabschluss bekommt man meist nur wenige Cent mehr – und haben 20 Tage Urlaub. Außerdem sind die Verträge meist auf sechs Monate befristet.

Die Demonstrierenden wollen auf die prekäre Situation von Hiwis aufmerksam machen. Bild: Janne Geyer

Rund 800 Menschen nehmen an der Demonstration durch die Stadt teil; es streiken die Beschäftigten der Universitäten und des Studierendenwerks, aber auch die des LTT sowie der AOK. Aus dem Block der Studierenden hört man „Ohne Streik wird sich nichts verändern“ und die Forderung „Tarifvertrag jetzt!“. Beim Modehaus Zinser findet dann die Kundgebung statt. Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross macht am Beispiel von Spätzle auf die hohe Inflation aufmerksam, unter der die Beschäftigten leiden und fordert mehr Investitionen.

Die studentischen Hilfskräfte sind auf das Geld angewiesen

Auch Margrit Paal, Personalratschefin der Universität Tübingen, prangert die fehlenden Investitionen an den wichtigen Stellen an. „Das Geld wird für ‚The Länd‘ anstatt für die ‚Ländesbeschäftigten‘ ausgegeben“, kritisiert sie. Auch macht sie klar: „Wer nichts fordert, bekommt auch nichts“. Diejenigen, die heute nicht streikten, hätten auch eine Verantwortung für das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Für die Initiative TV Stud, die den Tarifvertrag für studentische Beschäftigte fordert, spricht Lars Herrmann. Er stellt die prekären Verhältnisse dar, unter denen viele Studierende leiden. Ein Hiwi-Job sei für viele auch eine Notwendigkeit, um Geld zu verdienen.

Bei der Demo wird für einen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte gestreikt. Bild: Janne Geyer

„Die schlechten Arbeitsbedingungen für uns sind nur ein Symptom unseres kaputten Bildungssystems.“

Lars Herrmann, TV Stud

Abhängigkeit von Vorgesetzen

Bei der Kundgebung vor Ort ist auch Simon Nugel, der sich ebenfalls für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte einsetzt. Er ist heute hier, weil ihn viele Dinge an den Beschäftigungsverhältnissen an der Uni stören, beispielsweise die Kettenbefristung. „Wenn man einen guten Vorgesetzten hat, ist alles okay, aber wenn man Missstände ansprechen möchte und dann Angst haben muss, dass Verträge nicht verlängert werden, ist das sehr problematisch“, kritisiert er. Ein Tarifvertrag sei wichtig, um in Zukunft in den regulären Tarifverhandlungen mit dabei zu sein und nicht nur auf das Wohlwollen des Landes angewiesen zu sein.

Ob der Tarifvertrag für studentische Beschäftigte tatsächlich Realität wird, bleibt abzuwarten. Die dritte Verhandlungsrunde in Potsdam hat begonnen; Ergebnisse sind bisher nicht bekannt. In den ersten beiden Runden konnte keine Einigung erzielt werden.

Beitragsbild: Janne Geyer

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