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StuRa-Inside vom 14.11.2022 – Studiverwaltete Cafeterien kommen im Tal und auf dem Berg

Die Sitzung ging wieder lange: Fast bis halb zwölf saß der Studierendenrat (StuRa) am Montag zusammen, denn es gab viel zu besprechen. Während im Nebenzimmer eine Big Band probte, schlugen sich die circa zwanzig anwesenden Mitglieder wacker durch Referats- und Vorsitzendenwahlen sowie allerlei Anträge. Unter anderem ging es um die Übernahme der Clubhaus-Cafeteria durch die Studierendenschaft: Erste Überlegungen sehen eine Eröffnung in spätestens 18 Monaten vor. Und: Auch die Cafeteria im Hörsaalzentrum Morgenstelle wird bald von Studis verwaltet.

Wahlen der Referate und des Vorsitzes

Der erste Tagesordnungspunkt der Sitzung, die von Josua vom SDS und Anton vom RCDS geleitet wurde, waren die Stura-internen Wahlen. Zum Vorsitz des noch weniger als einen Monat alten StuRa (zum Bericht zur konstituierenden Sitzung vom 24. Oktober) wurden die Mathe- und Sozialpädagogikstudentin Pauline sowie Jacob gewählt, der das Amt auch im vergangenen Semester schon innehatte. Die beiden möchten sich in der kommenden Amtsperiode unter anderem für möglichst viel studentische Mitbestimmung bei den anstehenden Stellenbesetzungen einsetzen. Für Johanna war dies somit die letzte Sitzung als Vorsitzende, am Ende wurde ihr für ihr Engagement noch einmal gedankt.
Mit dem Satz „Sie kennen mich,“ stellte sich Moritz vor, der bereits seit drei Jahren die Tätigkeit Finanzreferenten des StuRa inne hat, und diese zumindest für einen Teil der kommenden Amtszeit noch einmal übernehmen wird. Bevor er den StuRa verlassen wird, möchte er eine mittelfristige Wirtschaftsplanung für die Tübinger Studierendenschaft fertigstellen.
Als Referent*innen für gewerkschaftliche, soziale und ökologische Teilhabe und eine gerechtere Welt wurden Hannah-Sophie, Erziehungswissenschafts- und Soziologiestudentin und Malte aus dem Master Friedensforschung aus drei Kandidierenden gewählt. Hannah-Sophie hatte das Amt bereits im vergangenen Semester inne und möchte vor allem gewerkschaftliche Teilhabe an der Uni fördern und sich für niederschwellige Beratungsangebote einsetzen. Malte hat vor, wie schon in diesem Jahr, die Aktionswoche zum Holocaustgedenktag sowie eine Reihe zur ökologischen Transformation des Rechts zu organisieren.
Für das Referat für Studium und Lehre standen Ornella, die Literatur- und Kulturtheorie studiert, sowie Chris, Biostudent, zur Wahl. Beide wurden mit 19 Stimmen gewählt. Ornella ist es wichtig, sich für mehr Demokratie bei der Gestaltung von Studienordnungen einsetzen, Chris möchte die Studierendenschaft mehr für das Thema Qualitätssicherungsmittel (QSM) sensibilisieren.
Auch für das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit standen nur zwei Kandidatinnen zur Wahl, die beide gewählt wurden. Inga kennt das Amt bereits und hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, den Instagram-Account des StuRa einheitlicher zu gestalten. Nathalie findet es wichtig, den StuRa im Bewusstsein der Studis mehr zu verankern.
Spannend wurde es noch einmal bei der Wahl zur Vergabekommission des Notlagenstipendiums: Hier waren zwei Stichwahlen notwendig. Gewählt wurden letztendlich Maren, Linus, Jeremias, Dana und Alexa sowie Malte, Linda, Rita, Sarah und Pauline als Stellvertreter*innen.

Selbstverwaltete Cafeterien – „Auch die Leute auf der Morgenstelle verdienen ein gutes Angebot“

Viele Studierende schauen wohl bereits erwartungsvoll auf die Pläne des StuRa, die Clubhaus-Cafeteria zu übernehmen. Am Montag hat der StuRa zwei Anträge angenommen, die ihn auf diesem Weg ein ganzes Stück weiterbringen: Erstens gibt es jetzt einen eigenen Arbeitskreis, der sich um die weiteren Schritte der Umsetzung kümmern soll. Dazu gehört die Ausarbeitung der betrieblichen Struktur, die Einrichtung von Stellen zur Bewirtung und natürlich die Frage: „Was soll’s da eigentlich zu essen und zu trinken geben?“ Außerdem soll eine fest angestellte Person den Arbeitskreis mit zwanzig Wochenstunden unterstützen. Mit der Annahme dieses Antrags erhält das Projekt auch einen groben Zeitplan: Die Projektstelle ist auf 18 Monate befristet, bis dahin soll die Cafeteria also spätestens eröffnet sein.
Außerdem dürfen sich Studierende auf der Morgenstelle freuen: Der StuRa hat beschlossen, auch die Cafeteria im Hörsaalzentrum Morgenstelle zu übernehmen. Laut Finanzreferent Moritz habe die Universität dem Studierendenwerk zuvor aufgrund nicht zufriedenstellender Leistungen gekündigt. Jetzt liegt es also am AK Cafeteria, auf der Morgenstelle ein Angebot zu schaffen, das verschiedenste Bedürfnisse unter einen Hut bringt. In ersten Gesprächen habe sich beispielsweise bereits herauskristallisiert, dass einerseits die Nachfrage nach dem schnellen Kaffee am Morgen und zwischen Vorlesungen besteht, dass andere aber wiederum gerne eine Möglichkeit hätten, eher abends noch bei einem Bier zusammenzusitzen. „Das Angebot im Hörsaalzentrum muss auf den Berg zugeschnitten sein“, erklärt Johanna. Sie betont außerdem, dass die Gespräche mit der Uni in dieser Hinsicht bisher sehr positiv waren und nicht der Anschein erweckt wird, „dass die das einfach auf uns abwälzen wollen“. Stattdessen soll mit der Übernahme der Cafeteria eine lebendige Studierendenschaft gefördert werden. Auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, ein Angebot zu schaffen, für das keine Nachfrage besteht, betont Sebastian von der Grünen Hochschulgruppe: „Auch die Leute auf der Morgenstelle verdienen ein gutes Angebot“.

Die Cafeteria im Clubhaus soll in spätestens 18 Monaten von Studis selbstverwaltet sein. Und nicht nur das: Auch für das Hörsaalzentrum Morgenstelle ist eine Übernahme der Cafeteria geplant.

Anträge

Neben den Cafeterien wurden selbstverständlich auch einige weitere Anträge diskutiert. Der teuerste Antrag beschäftigte sich mit der Finanzierung des Hochschulsport-Angebots BeTaBalance, dem wir unter anderem den allwöchentlichen „Bewegungssnack“ mit Slackline und Tischtennisplatte vor der UB und auf der Morgenstelle zu verdanken haben. Der Landesrechnungshof hat nämlich in letzter Instanz entschieden, dass Gesundheitsmanagement von Studierenden anstatt von Universitäten finanziert werden soll. Nun liegt es also in der Hand der Studierendenschaft, das Programm mit 12 000€ jährlich zu unterstützen. Dafür fordert der Stura jedoch auch eine Mitbestimmung bei der Verwendung der Mittel. Der Antrag wurde mit 18 Fürstimmen und einer Enthaltung angenommen.
Ein Antrag des Debattierclubs über eine Förderung der in Tübingen stattfindenden Süddeutschen Debattiermeisterschaft mit einer Summe von 2000€ nahm der StuRa mit kleinen Änderungen an. Ursprünglich sollte das Geld unter anderem für Unterkunfts- und Reisekosten Teilnehmender verwendet werden. Da der StuRa Studierende anderer Universitäten allerdings nicht fördern darf, musste dieser Verwendungszweck gestrichen werden. Eine Ausnahme bilden Studis aus Bayern, da diese keine finanzielle Unterstützung bei eigenen Studierendenschaften beantragen können. Somit wurde der Verwendungszweck im Antrag auf die finanzielle Unterstützung der Juror*innen, der Teilnehmenden aus Bayern und auf die Finanzierung von Werbung beschränkt.
Die Fakultät Philosophie zog ihren Antrag zur Kostenübernahme von Menstruationsprodukten zurück, weil die Finanzierung über andere Wege laufen soll.
Eine am 29. November stattfindende Lesung von Dr. Peter Schadt zum neu erschienenen Buch „Digitalisierung“ wird der StuRa mit 300€ fördern. Organisiert wird die Veranstaltung von der Grünen Hochschulgruppe.
Auch die Kupferblau stellte am Montag einen Antrag. Für unseren „Kupferblautag“, bei dem wir als Redaktion gemeinsam mehr über journalistisches Arbeiten lernen und uns besser kennenlernen möchten, wurden 165,40€ für T-Shirts beantragt. Da die Veranstaltung jedoch nicht für alle Studierenden offen ist, entschied der StuRa, dass der Antrag nicht förderbar ist, und lehnte ihn ab.
Drei Anträge wurden vertagt, um der Fachschaftenvollversammlung (FSVV) noch die Chance zu geben, darüber zu beraten. Erstens war das ein Antrag der Gruppe „Suppeers“, die Angebote für Studierende zu mentaler Gesundheit und persönlicher Entwicklung machen. Sie hatten 990€ für Werbemaßnahmen beantragt. Auch das neu gegründete Literaturmagazin Open Sewers Collective hatte um Unterstützung für Werbeausgaben gebeten. Das studentische Forschungsmagazin Faktor14 hatte einen QSM-Antrag über 2618€ für den Druck der Wintersemester-Ausgabe gestellt. Über diese Anträge wird der Stura bei der nächsten Sitzung am 28. November abstimmen.
Zu guter Letzt hat der StuRa noch über die Zur-Kenntnisnahme der Anträge der Studentischen Vollversammlung am vergangenen Donnerstag (wir berichteten) abgestimmt. Mit 19 Stimmen waren alle Anwesenden dafür, die fünf Anträge zu unterstützen.

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