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Romulus der Große

Einen Katzensprung von Tübingen entfernt kann man im Sommertheater der Tonne Reutlingen die Landresidenz von Romulus dem Großen besuchen. Der Kaiser Roms haust hier mit seiner Familie, und vor allem mit seinen Hühnern. Friedrich Dürrenmatts Stück wird dabei von einem bunten Ensemble auf die Bühne gebracht, welches die Lust des Kaisers zu regieren mit großem komödiantischen Einsatz konterkariert.

Das Morgenessen

Der Präfekt Spurius Titus Mamma kommt erschöpft an der Residenz des Kaisers an und bringt eine wichtige Botschaft mit sich: Pavia ist im Kampf gefallen und die Germanen rücken näher auf Rom zu. Leider nur ist das nicht der übliche Weg, den Kaiser zu sprechen, und so wird er darauf verwiesen, den üblichen Akt der Bürokratie in Kauf zu nehmen; eine Audienz beim Kaiser sei dann in ein paar Tagen, vielleicht eher Wochen möglich. Das macht der Reiterpräfekt nicht mit und versucht sich selbst seinen Weg zum Kaiser zu bahnen.

Nichts ahnend sitzt dieser am Frühstückstisch, nein, beim Morgenessen. Diese Begrifflichkeit ist Romulus dem Großen ganz wichtig, um zu bezeichnen, wie er von seinen Dienern ein Frühstücksei serviert bekommt. Benannt sind seine Hennen nach großen Persönlichkeiten, manche bereits verstorben. Der Namensgeber des Eis, das er an diesem Morgen verspeist, Odoaka, hat es jedoch mit seiner germanischen Streitmacht auf Rom abgesehen. Der Kaiser wirkt ziemlich uninteressiert, widmet er sich doch lieber dem Verkauf einiger seiner Kunstwerke. Später stößt der Hosenfabrikant Cäsar Rupf hinzu und macht dem Kaiser ein rettendes Angebot: die Germanen, mitunter seinen größten Abnehmern, sind bereit, Rom für eine hohe Geldsumme zu verschonen. Ungeschickt nur, dass der Finanzminister mit der (leeren) Staatskasse abgehauen ist. Cäsar Rupf ist bereit, diese Kosten zu übernehmen und Rom finanziell zu unterstützen, unter einer Bedingung: Er will die Tochter des Kaisers zur Frau haben. Romulus ist auch davon ungerührt, was zu großem Streit unter seiner Belegschaft führt. Fraglich, ob der Kaiser noch so gut für Rom ist.  Aus Furcht vor einem Putsch läuft er fortan auf Eierschalen.

Alles dreht sich um das EIne. Bild: Tonne / Armbruster

Sunny Side Up

Für die Rolle des Romulus fand die Tonne mit Rupert Hausner eine ausgezeichnete Besetzung. Er war lange Zeit eine Institution als Ensemble-Mitglied des Jungen LTT am Landestheater und ist nun im Ruhestand. Das heißt, selbst wieder mehr auf der Bühne stehen. Unterstützung findet er hier vom inklusiven Ensemble der Tonne. Kaiser Zeno, gespielt von Seyyah Inal, rollt lässig über eine integrierte Rampe auf die Bühne. Ebenso elegant kann dieser sich dann auch aus dem Staub machen, als ihm die Lage zu gefährlich wird. Die Kammerdiener des Romulus, Achilles und Pyramus, werden jeweils von einem Chor gespielt, dessen Mitglieder bei Bedarf in eigenständige Rollen schlüpfen. Ein schlichtes, flexibles Bühnenbild, bestehend aus einer Hausfassade, mit vielen Fenstern und Türen, und multifunktionalen Holzquadern, wirkt unterstützend für die Absurdität und Komik der Situation, allem voran die Hühnerfedern, die aus jedem Winkel und Hut herausfallen.

Des Kaisers Hauptbeschäftigung Bild: Tonne / Armbruster

Romulus der Große wird im Sommertheater der Tonne noch ein wenig lustiger dargestellt als im Original. So bleiben manche ernsteren Passagen aus, was der Qualität des Stücks keineswegs schadet. Die neu gewonnene Leichtigkeit, kombiniert mit Dürrenmatts großer Portion Ironie, macht daraus ein Stück für einen schönen Sommerabend.  Für alle Theaterfreunde lohnt sich also ein Ausflug in die Innenstadt Reutlingens. Bis zum 30.07. gibt es das Stück noch zu sehen, Karten finden sich hier. Auch wenn Reutlingen sonst nicht viel zu bieten hat, so ist das Sommertheater der Tonne dieses Jahr vielleicht für viele das Gelbe vom Ei.

Titelbild: Tonne / Armbruster

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