Die lokale Musikerin Aura tritt dieses Jahr zum ersten Mal bei dem Studierenden-Festival Lichternebel auf. Im Interview mit Kupferblau verrät sie, wie sie zum Komponieren gekommen ist, ihre Studienfächer und an welchen neuen Songs sie arbeitet.
Ich bin mit Aura im Geissweg 15 verabredet. Sie holt mich draußen ab, weil es nicht so einfach sei, den Musikraum zu finden. Als sie mir entgegenkommt, ist sie gerade noch am Telefon. Es geht um ihren Auftritt bei Lichternebel. Sie umarmt mich kurz und entschuldigt sich bei mir, nachdem sie aufgelegt hat. Dabei war ich die Person, die eigentlich zu früh zu unserer Verabredung erschienen ist. Sie sei ein bisschen nervös, erzählt sie mir, als wir die dunkle Treppe zum Musikraum heruntersteigen. Schließlich sei es ihr erstes richtiges Interview. Hier im Musikraum im Geissweg 15 probt Aura oft und nimmt ihre Songs auf. Viel Platz ist in dem kleinen Raum nicht, dafür ist aber alles da, was man zum Musik machen braucht.
Emi, hast du deinen Künstlernamen so gewählt, damit er maximal viel „Aura“ hat?
Nein. (Sie lacht)
Ich habe den tatsächlich schon 2023 ausgesucht, als ich noch Sachen auf Soundcloud hochgeladen habe. Es ging mir dabei mehr um die Ausstrahlung von meiner Musik. Die war damals noch sehr ruhig und ich fand, Aura passte da ganz gut zum Stil.
Du studierst jetzt im dritten Semester an der Universität Tübingen. Hast du dich gut in Tübingen eingelebt?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin vor kurzem nochmal in eine andere WG gezogen. Ich fühle mich mit den Menschen total wohl. Und auch in der Stadt, die ist voll süß. Irgendwie kennt hier jeder jeden, aber das ist auch das Schöne an Tübingen.
Es ist Abend in Tübingen, wo geht’s du am liebsten noch hin?
Mittlerweile bin ich oft in der Ammergasse. Im Ammerschlag oder Storchen meistens; oder Blauer Salon. Da treib ich mich meistens rum.
Bist du auch schon viel mit der Tübinger Musikszene in Berührung gekommen?
Ja, würde ich schon sagen. Ich hatte, bevor ich nach Tübingen gekommen bin, schon einen Freund, Étienne, der aus Tübingen kommt. Über den bin ich dann in die Tübinger Musikszene reingerutscht. Ich bin auch mal eine Zeitlang mit ihm zusammen aufgetreten. Und seit ich selbst in Tübingen studiere, war ich immer mal bei verschiedenen Gigs in der Stadt.
Seit Kurzem organisiert Étienne auch kleine Konzerte im Geissweg. Da durfte ich schonmal als Vorakt für Für nichts nach Bonn auftreten und so sind auch die Leute von Lichternebel auf mich aufmerksam geworden.

Was würdest du sagen, ist ein richtiger Geheimtipp in der Tübinger Musikszene, den zu wenig Studierende kennen?
Auf jeden Fall die Konzerte im Geissweg, weil bis jetzt waren immer voll wenig Leute da, wenn die Künstler*innen von weiter weg kamen. Ansonsten … man muss einfach die Augen offen halten, wo mal ein interessanter Name dran steht, den man noch nicht kennt.
Dieses Jahr darfst du als Künstlerin das erste Mal bei dem Studierenden-Festival Lichternebel auftreten. Warst du als Zuhörerin selbst schon mal bei Lichternebel?
Ja, ich war letztes Jahr schon da. Ich war auch Helfi.
In Tübingen gibt es keine Musikhochschule. War Tübingen nur eine Notlösung oder studierst du hauptsächlich ein Fach und die Musik ist nur ein Hobby?
Ich studiere hauptsächlich und Musik ist das Hobby. Wobei ich sagen muss mittlerweile nimmt die Musik schon immer mehr Zeit in Anspruch und ich stelle das Studieren immer mal wieder hinten an. Aber ja, Tübingen war definitiv nicht zweite Wahl oder so.
Was studierst du?
Deutsch und Englisch auf Lehramt
Wieso hast du dich für die Fächer entschieden?
Deutsch, weil ich ein großer Literaturfan war…
Jetzt nicht mehr?
Doch, doch! Ich hab früher auch viele Texte geschrieben; auch lyrisch. Das lag mir einfach und ich mag die Sprache. Und Englisch, weil es mir auch gelegen hat und es sich gut ergänzt. Und wenn ich mal auswandern möchte, dann ist das auch nicht schlecht. (lacht)
Textest du dann eigentlich ausschließlich auf Deutsch?
Manchmal schreibe ich auch mal auf Englisch, aber da hab ich oft das Gefühl mir fehlen die Worte. Deshalb schon hauptsächlich auf Deutsch.
Wie bist du grundsätzlich zur Musik gekommen?
Ich habe zuerst Gedichte geschrieben und dann angefangen sie auf Garage Band zu vertonen. Und als mir meinen Laptop geholt habe, habe ich dann auch angefangen mit Logic, einer Musikproduktionssoftware, zu arbeiten. Und dann hab ich mir das irgendwie selbst beigebracht.

Also hattest du nie Instrumental- oder Gesangsunterricht?
Ich hatte eine Zeit lang Klavierunterricht, habe dann aber relativ schnell wieder aufgehört. Gitarre habe ich mir selbst beigebracht, so die Basic-Akkorde. und ich war im Schulchor. (lacht)
Woher kam der Impuls anzufangen selbst Songs zu schreiben?
Ich glaube, ich bin ein Mensch, der sich auf irgendeine Art ausdrücken muss. Bevor ich geschrieben habe, habe ich gezeichnet. Und dann bin ich vom Zeichnen, zum Schreiben, zur Musik gewandert.
Du arbeitest als Soloprojekt. Produzierst du deine Musik vollständig allein?
Ja, ich produziere die Songs selbst. Das mache ich am liebsten, da kann ich die Sachen mit mir selbst ausmachen. Aber ich werde auch immer offener dafür mit anderen zusammen zu arbeiten. Für die EP habe ich zum Beispiel mit Ben zusammengearbeitet, der hat dann gemixt und gemastert hat dann Samuel.

Arbeitest du mehr mit Samples oder spielst du alles selbst ein?
Hauptsächlich mache ich viel mit den Sounds von Logic, aber ich passe die dann gerne noch an, bis sie mir richtig passen. Seit ich mir einen Synthesizer geholt habe, habe ich aber auch viel damit eingespielt.
IDu hast auf bereits eine EP veröffentlicht mit dem Namen Augen zu. Der Klang der EP ist geprägt von einem Synthesizer-Sound. Wie bist du zu diesem Instrument gekommen?
Ich finde es so krass wie viel man damit machen kann. Dass man zum Beispiel seine eigenen Geräusche damit verstellen kann. Das war so das erste Equipment, das ich mir geholt habe. Ich bin auch ein großer Fan von Gast, das ist auch eine Band aus Tübingen. Die machen auch viel mit Synthesizer. Ich habe mich oft an denen orientiert.
Welche Künstler*innen hörst du gerne, von denen du auch sagen würdest, dass sie deinen Sound geprägt haben?
Gast; und sonst Donkey Kid zum Beispiel, Lukas Mondlicht teilweise.
Gibt es auch noch andere Künstler*innen, bei denen du dir noch andere Inspiration holst?
In letzter Zeit Lilli Belle, die spielt auch bei Lichternebel. Das ist tatsächlich ein Zufall. (lacht) Ich bin ein großer Fan von ihr. Ich mag wie sie ihre Songs schreibt. Die haben so eine Ehrlichkeit. Sonst noch Elfi und Fiese Luise, weil ich sehr cool finde, was sie mit ihrer Stimme machen, das hat etwas sphärisches, das trägt und einen trotzdem mitreißt.
Der Synthesizer in Kombination mit Techno hat einen leicht verklärten, sentimentalen Klang, der doch ziemlich traurig klingt. Was verbindest du mit dem Klang deiner EP?
Ich habe sehr viel reflektiert in der EP, im Kontext von romantischen Beziehungen. Ich würde jetzt gar nicht sagen, dass das auf eine spezifische Person bezogen ist, sondern mehr auf das, was mich die letzten Jahre so begleitet hat. Da ist dann die EP dabei rausgekommen.
Die Farbe Blau spielt eine große Rolle in deiner EP, ein ganzer Song ist danach benannt. Für was steht die Farbe Blau in deiner EP?
Hauptsächlich für Nostalgie, würde ich sagen, dass man sich da ein bisschen drin verlieren kann. Dass es einen so einnimmt wie Wasser oder Nebel.
Ich würd so gern zurück
Zurück in deine Arme weit und blau
Mein Herz wird in mir zerdrückt,
Zerdrückt von deiner Aura, himmelblau
– blau von Aura
In deinen Songs geht es oft um Schmerzen, ist das Schreiben von Songs für dich eine Möglichkeit, um mit deinem Schmerz umzugehen?
Ja, würde ich schon sagen. Also ich reflektiere viel in den Songs. Ich habe den Eindruck, dadurch, dass ich dann viel verarbeite, was ich erlebt habe, wird es weniger schmerzhaft. Aber irgendwie ist das schon dramatisch, da von Schmerzen zu sprechen. (lacht)
Was ist dein Lieblingslied von der EP?
Also an sich blau, aber irgendwo auf eine andere Art dann auch Blütenstaub.
Was ist an Blütenstaub anders, das du besonders magst?
Es hat sowas Leichtes irgendwie. Ist süß.
Ich hab dich angesehen und angenommen du wärst
wie Blütenstaub auf Haut, Sanft
und leicht zu schön zum Verstehen, rot wie die Nacht
und einsam tief im Sein.
– Blütenstaub von Aura
Wirst du bei Lichternebel die Songs von deiner EP performen oder hast du ein anderes Programm geplant?
Ich performe auf jeden Fall alle Songs von der EP, aber das würde nicht reichen, um die Setlist zu füllen. Ich habe auch viele unveröffentlichte Songs dabei.
Ein spezifischer Song von den Unveröffentlichten, von dem du schon was erzählen magst?
Ich hab einen, der hoffentlich auch bald rauskommt. Ich freu mich sehr darauf, der ist mit viel Gitarre und macht sehr viel Spaß. Er klingt nochmal sehr anders, als das was ich bisher veröffentlicht habe.
Was war das für ein Gefühl auf der Bühne, als du gemerkt hast, dass du gerne öfter auftreten möchtest?
Das ist so eine Mischung aus Panik und irgendwie so Stress, aber auf ne gute Art. (lacht)
Weil im Endeffekt steht man auf der Bühne und es hören einem einfach Menschen zu. Und es gibt Leute die das feiern, was ich mache und das motiviert mich auch sehr.
Worauf freust du dich bei Lichternebel am meisten?
Mit Band zu spielen, würde ich sagen. Und es ist dann die größte Bühne, auf der ich bisher gestanden habe. Das ist auch sehr cool.
Du bist in der diesjährigen Lineup eine der Newcomer*innen aus Tübingen. Wirst du aktuell schon von Kommiliton*innen auf deine Musik angesprochen?
Manchmal, wenn ich so unterwegs bin oder abends draußen, dann gab es schon Menschen, die zu mir so meinten „Hey du hast doch bei missbehave gespielt“ oder „Bist du nicht Aura?“ und ich denke mir immer voll süß, dass mich jemand erkennt und anspricht. Aber das ist bisher noch nicht oft passiert.
Würdest du dich freuen, wenn dich dann dank Lichternebel in Zukunft mehr Leute ansprechen?
Ja, würde ich schon sagen. Ich find das immer sehr cool, wenn Leute Bescheid wissen, dass ich Musik mache.
Hast du schon neue Musik und Projekte am Laufen auf die sich deine Fans freuen können?
Also ein Song, der heißt Anderer Himmel, der kommt hoffentlich noch dieses Jahr. Und ich habe noch zwei andere, aber da muss ich mal schauen, weil die noch jemand anderes mixt.
Beitragsbild: Katharina Schmidt

