Bundestagswahl 2025 Politik

Bundestagswahl: Wer sind die Tübinger Direktkandidierenden?

Alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien, bis auf das BSW, haben einen Direktkandidaten oder eine Direktkandidatin im Wahlkreis Tübingen-Hechingen aufgestellt. Die Kupferblau hat nachgefragt: Welche Vorerfahrung haben sie in der Politik und welche Themen liegen ihnen besonders am Herzen?

Christoph Naser, CDU
Was haben Sie von Beruf gelernt?
An der Universität Tübingen habe ich Politikwissenschaften mit dem Bachelor und Evangelische Theologie mit dem Diplom abgeschlossen. Aktuell bin ich Pfarrvikar an der Evangelischen Stephanuskirche Tübingen und arbeite dabei auch an einer Schule. Mein Studium habe ich mir in den ersten Semestern im Garten- und Landschaftsbau finanziert.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Aktuell bin ich Kreisvorsitzender der CDU im Landkreis Tübingen. Davor war ich Mitarbeiter im Deutschen Bundestag bei Staatsministerin a.D. Annette Widmann-Mauz MdB und Vorsitzender der Jungen Union Tübingen.
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen? Falls ja: welcher?
Nein.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Familien und deren besondere Lebenssituation sind mein Herzensthema. Meine Frau und ich haben schon im Studium Kinder bekommen, als wir noch im Wohnheim lebten. Daher weiß ich, wie wichtig etwa verlässliche Betreuung, bezahlbarer Wohnraum und medizinische Versorgung ist. Zur ganzen Familie gehören aber auch die Älteren. Für sie braucht es innovative Pflege- und Wohnkonzepte.

Asli Kücük, Bündnis 90/ Die Grünen
Was haben Sie von Beruf gelernt?
Internationale Management-Assistentin, Studium der Politik- und Islamwissenschaft. Ich arbeite seit 2016 als Referentin für politische Bildung, speziell Demoktratiebildung und Extremismusprävention.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Integrationsrätin (seit über 10 Jahren), Stadträtin Tübingen (seit über 5 Jahren), Kreisrätin Landkreis Tübingen (seit über 5 Jahren).
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen? Falls ja: welcher?
Bisher nicht geplant.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Klima, Wirtschaft, demokratisches Zusammenleben

Florian Zarnetta, SPD
Was haben Sie von Beruf gelernt?
Nach meinem Bachelor in Politikwissenschaft und Öffentlichem Recht hier in Tübingen habe ich einen Master of Public Policy an der Universität Oxford gemacht. Seit meiner Rückkehr aus England arbeite ich in Stuttgart als Projektleiter beim baden-württembergischen Handwerkstag. Dort bin ich für den Bereich Internationale Fachkräfte zuständig.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Mit 14 Jahren habe ich angefangen, mich im Jugendrat in Stuttgart zu engagieren. Hier an der Uni saß ich ein Jahr lang im Senat und im Studierendenrat. Zwei Jahre lang war ich Vorsitzender der Jusos im Landkreis Tübingen, dann stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Baden-Württemberg. Seit 2021 bin ich Vorsitzender des SPD Kreisverbands Tübingen und seit letztem Jahr Stadtrat in Tübingen und dort Vorsitzender der SPD-Fraktion.
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen? Falls ja: welcher?
Ich würde gern mein kommunales Mandat als Stadtrat fortführen. Andere Nebentätigkeiten strebe ich nicht an.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Ganz oben auf der Aufgabenliste für den neuen Bundestag sollte ein Paket für Wirtschaftswachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen stehen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss wieder wettbewerbsfähiger werden. Dafür müssen die Energiepreise runter. Kurzfristig braucht es dafür eine Deckelung der Netzentgelte. Parallel müssen wir massiv in die erneuerbaren Energien, den Netzausbau und Speicherkapazitäten investieren. Die SPD schlägt deshalb einen Deutschlandfonds vor, der privates und öffentliches Geld für diese wichtigen Investitionen mobilisiert. Auch unsere Unternehmen müssen wieder mehr investieren. Mit einem Made-in-Germany-Bonus will ich, dass der Staat hier unterstützt – zielgerichtet und unbürokratisch. Bürokratie müssen wir weiter gezielt abbauen und Verwaltungsverfahren beschleunigen. Auch bei Betriebsnachfolge und Fachkräftesicherung muss der Staat den Betrieben unter die Arme greifen. So stärken wir auch kleinere und mittelständische Unternehmen bei uns in der Region und im ganzen Land. Forschung und Entwicklung müssen wir stärker unterstützen und den Transfer in die Wirtschaft verbessern.

Julian Grünke, FDP
Was haben Sie von Beruf gelernt?
Ich habe an der Eberhard Karls Universität Tübingen Politikwissenschaft mit Nebenfach Betriebswirtschaft studiert.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Ich war Ortsbeirat in Tübingen, und bin seit September 2024 Bundestagsabgeordneter. Innerhalb der Partei und Jugendverband war ich Ortsvorsitzender und auf Kreis und Landesverbandsebene, seit 2017 in verschiedenen Ämtern aktiv.
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen? Falls ja: welcher?
Nein. Auch in dieser Legislatur habe ich keine Nebeneinkünfte.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Generationengerechtigkeit. Dies erfordert eine Politik, die sparsam und verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgeht. Wir müssen unsere finanziellen Ressourcen so einsetzen, dass auch kommende Generationen Handlungsspielraum haben. Das bedeutet: zielgenaue Investitionen, die Einhaltung der Schuldenbremse und den Mut zu notwendigen Reformen. Beispielsweise muss das Rentensystem grundsätzlich überarbeitet werden. Gleichzeitig ist der Schutz unserer Lebensgrundlagen eine der größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Eine liberale Klimapolitik, die auf Wirksamkeit und Effizienz statt auf Symbolpolitik setzt, ist hierfür entscheidend. Innovative Ideen und neue Technologien können uns dabei helfen, nachhaltigen Klima- und Umweltschutz zu erreichen, ohne unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gefährden. Verantwortliches Handeln heute schafft die Voraussetzungen für eine lebenswerte Zukunft.

Daniel Winkler, AfD
Was haben Sie von Beruf gelernt?
Ich habe eine Lehre zum Elektromaschinenmonteur bei Siemens abgeschlossen und mich dann zum Elektrotechniker (Datenverarbeitung) weitergebildet. Anschließend habe ich Produktentwicklung mit der Fachrichtung Mikroelektronik studiert.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Keine.
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen?
Nein.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Die Wirtschafts- und Migrationspolitik. Ich denke in diesen beiden Bereichen drückt der Schuh am meisten.

Ralf Jaster, Die Linke
Was haben Sie von Beruf gelernt?
Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zum Gärtner (Fachrichtung Gemüsebau) in einem Biolandbetrieb in Walddorfhäslach begonnen, die ich allerdings nicht abgeschlossen habe. Danach habe ich in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft und Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Zeitgeschichte studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Seit 2009 arbeite ich, nach einer einjährigen Traineeausbildung, als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall.
Welche politischen Ämter haben Sie bisher bekleidet?
Ich war für zwei Amtsperioden Mitglied des erweiterten Landesvorstands der Linken Baden-Württemberg. Darüber hinaus bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich politisch aktiv. Seit 12 Jahren im DGB Kreisverband Tübingen, früher in verschiedenen politischen Gruppen innerhalb der sozialen Bewegungen, z.B. in der Anti-Atomkraftbewegung oder in antirassistischen und antifaschistischen Zusammenhängen.
Planen Sie im Bundestag einer Nebentätigkeit nachzugehen? Falls ja: welcher?
Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeitsrichter am Arbeitsgericht in Reutlingen. Diese unentgeltliche Tätigkeit würde ich nach Möglichkeit gerne weiterführen. Ansonsten habe ich keine Nebentätigkeiten und plane auch keine aufzunehmen, zumindest keine bezahlten.
Welches politische Thema liegt Ihnen persönlich am Herzen?
Als Gewerkschafter mache ich mich für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, für Betriebsräte und Gewerkschaften stark. Für Verbesserungen beim Kündigungsschutz, strikte Begrenzung von Leiharbeit und Kampf gegen den Missbrauch von Werkverträgen. Die Mitbestimmungsrechte in der betrieblichen Mitbestimmung müssen ausgeweitet (Stichwort wirtschaftliche Mitbestimmung) und die Rechte der Gewerkschaften im Betrieb gestärkt werden. Union Busting, die professionelle Behinderung von Betriebsrat und Gewerkschaft muss vehement bekämpft werden. Sozialpolitisch steht für mich die Stärkung der gesetzlichen Sozialversicherung im Mittelpunkt. Anhebung des Rentenniveaus und Absenkung des Renteneintrittsalters, eine Bürgerversicherung für alle in der Gesundheitsversorgung, weg mit den Sanktionen beim Bürgergeld und Anhebung des Regelsatzes auf ein armutsfestes Niveau.

Beitragsbild: Max Maucher(Symbolbild).

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