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Neues Semester, neuer Studiengang: Religionswissenschaft an der Uni Tübingen

Ein neuer Studiengang wird ab dem kommenden Wintersemester 2023/24 interessierten Abiturient*innen an der Universität Tübingen offen stehen: Religionswissenschaft. Was potentielle Studierende dieses Fachs zu erwarten haben, wie dieser neue Studiengang entstanden ist, und welche Aussichten für Beruf und Weiterqualifizierung nach dem Abschluss offenstehen, hat die Kupferblau von Prof. Dr. Bernhard Maier im Interview erfahren. 

Kupferblau: Wie heißt der neue Studiengang und welcher Fachschaft wird er zugeordnet? 
Prof. Dr. Maier: Ganz allgemein – Religionswissenschaft. Wir sind im Fachbereich I in der Philosophischen Fakultät. Da, wo beispielsweise auch Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Altertumswissenschaften sind. 

Kupferblau: Was werden zentrale Inhalte des Studiums sein? Wie ist es aufgebaut? 
Prof. Dr. Maier: Es wird ein Bachelorstudiengang sein mit einem Bachelor of Arts als Abschluss. Zu erwarten ist eine Mischung aus Religion in der Geschichte und Religion in der Gegenwart. Disziplingeschichte wird ein Teil des Studiums sein, verschiedene theoretische Ansätze, eine Einführung in die allgemeine Religionsgeschichte sowie Einführungen in weitere Teilbereiche, wie beispielsweise Religionsethnologie.

Kupferblau: Wie viele Mitarbeiter*innen werden am Fach beteiligt sein? 
Prof. Dr. Maier: Wir haben zwei Professuren, mich als Professor, und eine Professorin, Prof. Dr. Isabel Laack. Dann gibt es noch eine Juniorprofessorin, Dr. Carola Lorea, sowie eine akademische Rätin, Dr.  Katharina Wilkens, und es gibt noch eine Doktorandin, Isis Mrugalla, die auch unterrichten wird. Im Moment sind wir also sehr gut aufgestellt. 

Kupferblau: Gibt es spezielle Voraussetzungen vor Studienantritt zu erfüllen, wie Sprachkenntnisse oder vorherige Praktika?
Prof. Dr. Maier: Nein, es gibt keine Startvoraussetzungen. Sprachkenntnisse sind auch nicht obligatorisch, außer natürlich Deutsch und Englisch. Frau Lorea lehrt derzeit auch noch in Englisch, weil sie gerade erst Deutsch lernt – sie kommt aus Italien. Die anderen werden auf Deutsch unterrichten. Es gibt natürlich Sprachen, die sind sehr interessant für die Religionswissenschaft, wie zum Beispiel Latein, Hebräisch oder Griechisch. Je nachdem, wie man sich spezialisiert – auch Arabisch, wenn man sich mit dem Islam beschäftigen möchte. Die Religionswissenschaft ist ein vergleichend und allgemein ausgerichtetes Fach, darum können und wollen wir nicht die gleichen Sprachvoraussetzungen stellen, wie sie zum Beispiel in den Einzelfächern wie Indologie, Islamwissenschaft oder Judaistik gestellt werden. 

Eine Gruppe Studierender lernt gemeinsam im Park – solange das Sommersemester anhält. Bild: Pixabay.

Kupferblau: Eine Spezialisierung ist dann möglich, für diejenigen, die das gerne wollen?
Prof. Dr. Maier: Man kann Schwerpunkte setzen, aber das Interesse ist natürlich auch, dass man eine breite Ausbildung hat und sich nicht von Anfang an spezialisiert und dann sozusagen mit Scheuklappen durch das Studium geht. Wir bieten auch selbst Einführungen an, ein Modul namens Sprache und Begrifflichkeit von unterschiedlichen Traditionen. Da lernt man dann zwar nicht so viel Latein wie beispielsweise für das Latinum, aber man erhält eine solide Einführung.

Kupferblau: Was sind beispielsweise Berufsaussichten für nach dem Abschluss oder kann man sogar einen Master anschließen? 
Prof. Dr. Maier: Die Idee ist auf jeden Fall, dass es auch einen Master geben soll. Der ist aber noch nicht fertig geplant und auch noch nicht genehmigt. Es wird noch ein wenig dauern, aber das ist definitiv der nächste Schritt. Die Berufsaussichten sind ähnlich wie in verwandten geisteswissenschaftlichen Fächern. Dort, wo entsprechende Kenntnisse oder Arbeitstechniken erwartet werden, da können sich dann neben Historiker*innen, Ethnolog*innen, Politolog*innen oder Soziolog*innen auch Absolvent*innen der Religionswissenschaft bewerben. Vorstellbar wären Tätigkeiten bei Gedenkstätten, Museen oder speziellen Abteilungen von Museen, in der Bildungsarbeit oder Integrationsarbeit, wo es dann auch um den Umgang mit anderen Kulturen geht. 

Kupferblau: Wie entstand die Idee für einen neuen Studiengang an der Universität Tübingen? 
Prof. Dr. Maier: So etwas beginnt mit Überlegungen des Rektorats: Brauchen wir ein neues Fach, wollen wir ein neues Fach? In dem Fall war es so, dass es an der Universität Tübingen früher einen Magisterstudiengang Religionswissenschaften gab. Der wurde vor über zehn Jahren geschlossen, weil nicht genug Lehrpersonal da war, um das Ganze unter Bachelor- und Masterbedingungen weiterzuführen. In Absprache mit dem Ministerium hat das Rektorat beschlossen, dass es wieder einen Studiengang Religionswissenschaft geben soll, und so wurde dann in neues Personal investiert und das Ganze ausgearbeitet. 

Kupferblau: Was macht die Religionswissenschaft besonders und unterscheidet sie von anderen bereits etablierten Studiengängen an der Universität? 
Prof. Dr. Maier: Religionswissenschaft versteht sich als Kulturwissenschaft und betrachtet Religion als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen aus der Außenperspektive, ohne eine konfessionelle Bindung und ohne eine Bindung an kirchliche Institutionen. Insofern ist das ein grundsätzlicher Unterschied zur Theologie. Manchmal ist da auch die Rede von einer Art methodischem Agnostizismus. Das heißt nicht, dass man als Person Agnostiker*in sein muss, man muss keine Gewissheiten und Glaubenswahrheiten im Privaten ablehnen. Es heißt aber, dass man sich während des religionswissenschaftlichen Arbeitens so verhält, als wäre das der Fall. 


Eine Einschreibung ist ab dem 15. Juli möglich, die Modulhandbücher für Hauptfach und Nebenfach sind online einsehbar. Für eventuelle Fragen oder eine Studienberatung steht Isis Mrugalla unter isis.mrugalla@uni-tuebingen.de zur Verfügung.

 

Beitragsbild: Paul Mehnert

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