Am 06. Dezember präsentierten der Akademische Chor der Universität gemeinsam mit der Camerata Vocalis des Collegium Musicum ein breites Programm. Von Weihnachtsstücken über Mendelssohn, Motetten und Tschaikowsky bis zum zentralen Stück des Abends, Antonio Salieris Hofkapellmeistermesse, konnte sich das Tübinger Publikum über viele schöne Klangerlebnisse freuen.
Den Auftakt zum Konzert machte der Akademische Chor mit Verstärkung durch einen großen Teil der Camerata Vocalis mit vier Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy. Passend zur Weihnachtszeit, präsentierte das Vokalensemble unter anderem mmit Hört ihr, wie die Engel singen besinnliche Klänge.
Die klassische Orgelbegleitung wurde an diesem Abend bei allen Chorstücken am Flügel von Michael Dan gespielt. Der Pianist verband die verschiedenen Stücke elegant durch kurze Überleitungen. Die energische, geballte Klangmasse dieser rund 85 Sänger*innen wirkte kaum massiv, sondern vielmehr wie ein eingespielter Klangkörper, den ihr Dirigent mit Gefühl den Stücken passend formen und lenken konnte.

Der nächste Punkt des Abends wäre laut Programm ein Concerto von Antonio Vivaldi gewesen, doch stattdessen ergriff der Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung das Mikrofon. Am Konzertmorgen seien die Musiker*innen des Sinfonieorchesters von Kinshasa im Kongo an der deutschen Grenze festgesteckt gewesen. Sie hatten das Konzert durch mehrere Gastbeiträge bereichern sollen. „Sowas ist mir in 30 Jahren noch nicht passiert“, beschrieb er die Situatio, als er davon erfuhr.
Innerhalb weniger Stunden mussten neue Programmpunkte geschaffen werden. Philipp Amelung bewies großes Improvisationstalent und ein gutes Gespür für die Situation, denn auch wenn der eine oder andere im Publikum sicherlich gerne dem Original-Programm gelauscht hätte, gab es an diesem Abend keinen Grund zur Beschwerde, ganz im Gegenteil.
Improvisation vom Feinsten
Aus dem Gedanken, dass er mit dem Publikum den größten Chor Tübingens vor sich habe, schuf Philipp Amelung zwei kurze interaktive Programmpunkte, die den Saal im Ganzen zum Klingen brachten. Beim Alle Jahre wieder und Maria durch ein Dornwald ging sang das Publikum voller Überzeugung jeweils die erste und dritte Strophe mit der Camerata Vocalis zusammen und wurde so ein Teil des Konzertgeschehens.

Die Camerata Vocalis schuf auch einen weiteren Programmpunkt. Amelung betonte, es sei für ihn Luxus, dass er dieses Ensemble von seinem Vorgänger habe übernehmen dürfen und an diesem Abend zeigte sich wieder einmal, wieso. So konnte der Kammerchor der Universität, der zu großen Teilen auch im Akademischen Chor mitwirkte, an diesem Abend vier Motetten aus dem Hut zaubern, die das Publikum absolut begeisterten. Ein Highlight stellt das letzte Stück Nunc dimittis von Gustav Holst dar als einziges A-cappella-Stück an diesem Abend

Eine Bereicherung für den Abend war auch Benedikt Dan am Cello. Da sein Vater als Pianist bereits in das Konzert involviert war, lag es nahe, dass er zusammen mit seinem Sohn spontan einen Programmpunkt beisteuerte. Gemeinsam spielte das Vater-Sohn-Duett Variationen eins, zwei, drei und sieben über ein Rokoko-Thema von Tschaikowsky.
Bei den teils virtuosen und teils besonders gefühlvollen romantischen Variationen brillierte der Jungstudent der Freiburger Hochschule für Musik. Das Publikum kam aus dem Staunen nicht heraus und quittierte den Auftritt des jungen Dan mit lautstarkem Jubel. Kein Wunder, so einen Jugend-Musiziert-Preisträger hört auch das Tübinger Publikum nicht alle Tage.
Salieri als krönender Abschluss
Das Konzertfinale bildete das Titelstück des Abends. Ausgewählt anlässlich Antonio Salieris 200. Todes- und 275. Geburtsjahres sang der Chor dessen Hofkapellmeistermesse, um den meist weniger bekannten Salieri dem Publikum gebührend zu präsentieren. Heutzutage ist sein Zeitgenosse Mozart allgemein bekannt, wohingegen Salieri zu Lebzeiten als Hofkapellmeister in Wien nicht weniger populär war, aber heute etwas in Vergessenheit geraten ist.
Der Kammerchor präsentierte sich zum Abschluss nochmals wie zu Beginn im tutti mit der Unterstützung von einem Großteil der Camerata Vocalis, die den Benedictus-Teil der Messe solistisch sangen. Dieser bildete einen sanften, ruhigen Kontrast zu den teils energetischen und massiven Teilen der Messe wie zum Beispiel dem Kyrie oder dem Agnus Dei.
Das Tübinger Publikum konnte gar nicht genug bekommen vom Chorklang und applaudierte minutenlang. Die Zugabe setzte noch ein letztes Ausrufezeichen hinter das improvisierte Programm. Der Akademische Chor hat mit diesem Konzert sicherlich im Publikum viele neue Bewunderer gewonnen.
Beitragsbild: Katharina Schmidt

