Veranstaltungswerbung der dai Tübingen zu Art under Fire, zeigt den Journalisten Hugh Eakin
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Art Under Fire: Kulturelle Zerstörung als Kriegswaffe

Wenn Bomben geworfen werden, treffen diese häufig auch zivile Infrastruktur oder Kulturstätten. Das wirft die Frage auf, welche Rolle die Zerstörung von Kulturgut innerhalb eines Krieges einnimmt. Darüber und über die Frage, wen die Zerstörung von Kulturgut trifft, sprach Journalist Hugh Eakin beim DAI.

Eingeladen hat zu der Veranstaltung unter dem Titel Art under Fire: Cultural Destruction as a Weapon of War das Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen (DAI). Zu Gast war der renommierte Journalist Hugh Eakin. Anstatt der gewohnten Räumlichkeiten wurde kurzfristig ins Internet verlegt, weshalb das Ganze als archivierter Stream einsehbar ist.

Der ganze Stream: 

Die Veranstaltung startete mit einer Einführung in die Geschichte der kulturellen Zerstörung durch Krieg und organisierte Gewalt anhand bekannterer Ereignisse. Die Rede war von dem schrecklichen Tod des Wächters von Palmyra, von den Buddha-Statuen, die für immer verloren gingen und auch von den Beninbronzen, die in alle Welt verschleppt und erst kürzlich und nicht vollständig zurückgekehrt sind. Es wurde schnell klar: Wo immer es zu Gewaltausbrüchen kommt, sind die Kulturgüter ebenfalls nicht sicher.

Der Bogen eines Kunsthistorikers

Hugh Eakin zeichnete verständlich die Geschichten von kultureller Zerstörung (und Rettung) nach. Darüber hinaus arbeitete er auch heraus, warum die Geschichte von kultureller Zerstörung in Kriegszeiten so relevant und aktuell bleibt. Seine zentrale These lautet, dass die Zerstörung kultureller Güter ein Element eines Krieges gegen die Menschen ist, deren Kultur zu Asche oder Beute wird. Unter dieser These fand auch die ganze Veranstaltung statt.

Symbolbild. Kultur ist Produkt eines aktiven Lebens und Gestaltens von Menschen, aber auch Rahmen und Hinterlassenschaft dieses Lebens. Bild: Jana Svetlolobov

Kulturelle Zerstörung, so betonte Eakin, ist als Waffe im Krieg schwer von kultureller Zerstörung als Teil von Kriegen abzugrenzen. Liegen Städte in Trümmern, brennen Gotteshäuser und Denkmäler wie Fabriken und Wohnhäuser. Und doch, so wurde im Laufe der Veranstaltung klar, liegt Menschen immer wieder der Schutz von Kulturschätzen am Herzen. Unter anerkannten Staaten wob sich so schon früh die Schonung und Achtung des kulturellen Erbes in die Regeln des Krieges ein. Zur letzten Jahrhundertwende etablierte sich dann sogar die Erwartungshaltung, dass kulturelle Zerstörung nicht primär von den Armeen anerkannter Staaten ausgeht, sondern von Terroristen, Rebellen und Paramilitärs.

Menschenleben vs. gemeinsames Leben?

In der populären Imagination prägten nach Eakin dabei bis in die 2010er Jahre wenige, extreme Eindrücke das Verständnis von kultureller Zerstörung als Akt des Krieges. Dabei handele es sich um Bilder wie die leeren Felswände in Afghanistan, wo vor der mutwilligen Zerstörung durch die Taliban noch die jahrtausendalten Buddha-Statuen standen. Daneben seien es Geschichten wie die von Khaled al-Asaad, einem syrischen Archäologen, der von IS-Kämpfern zu Tode gefoltert wurde, weil er sich für die Rettung der Ruinen von Palmyra stark gemacht hatte.

Wird sich mehr um das Kulturgut als um die Menschen gesorgt?

Der Referent machte jedoch darauf aufmerksam, dass diese Ereignisse schon ein Problem enthalten, das bei der Kritik an kultureller Zerstörung, immer wieder aufkommt. Besonders wenn diese Kritik aus dem Westen komme, sei es wichtig sich zu fragen: Wird sich mehr um das Kulturgut als um die Menschen gesorgt?

Kulturelle Zerstörung: schmerzhaft aktuell

Bestürzend sei dabei, wie die augenscheinliche Disziplin und Zurückhaltung staatlicher Militärs, wenn es um die Kulturgüter auf der anderen Seite eines Krieges geht, mehr und mehr schwinden würde. In der Ukraine und in Palästina seien es nicht international geächtete Terroristen, die Kirchen und andere Kulturschätze in Schutt und Asche legen, sondern die Streitkräfte von Staaten, die auch in den Vereinten Nationen repräsentiert sind.

Ein Licht am Ende des Tunnels

Und trotz dieser grimmigen Entwicklung machte Hugh Eakin auch Hoffnung. Ein Blick auf den Schutz des Kulturguts vor kriegerischen Angriffen offenbare, so Eakin, dass immer wieder einzelne Menschen in Militär und Sicherheitskräften ihre Befehle missachten oder abändern, um Kulturgut zu schützen. Von Synagogen, einer der ältesten Brücken Florenz‘ bis zu der Stadt Kyoto: Wieder und wieder weigerten sich einzelne Teile der Sicherheitskräfte unterschiedlicher Staaten, Agenten unwiederbringlichen Zerstörung zu sein. Aber auch Individuen, die selbst Opfer desselben Kriegs geworden waren, der ihre Kulturschätze bedrohte, waren immer wieder zu Kraftakten bereit, um kulturelle Zerstörung zu verhindern und zu begrenzen.

Beitragsbild: Christopher Taylor / dai

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