Wissenschaft

Wissenschaft verständlich machen: Auszeichnungen für herausragende Kommunikation in Tübingen

Applaus erfüllte den Saal, als die drei Preisträger*innen einzeln die Bühne betraten: Bei der Preisverleihung für Wissenschaftskommunikation an der Universität Tübingen wurde wie jedes Jahr deutlich, wie vielfältig und kreativ Wissenschaft vermittelt werden kann. 

Ende April verlieh die Universität Tübingen bereits zum sechsten Mal den Preis für Wissenschaftskommunikation. Dieser würdigt Forschende, die in besonderer Weise einen Beitrag zur Vermittlung von Wissenschaft an Bildungseinrichtungen und der Öffentlichkeit geleistet haben. Über ein Preisgeld von 10.000 Euro konnten sich dieses Jahr der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Politikwissenschaftler Rolf Frankenberger freuen. Den mit 5.000 Euro dotierten Nachwuchspreis erhielt Rachel Gunn für die Öffentlichkeitsarbeit zu ihrer Forschung an gefährdeten Ökosystemen. Dieses Geld können die Preisträger*innen im Folgejahr in weitergehende Forschungsprojekte investieren.

In ihren Grußworten betonten die Organisator*innen der Preisverleihung die wachsende Bedeutung von Wissenschaftskommunikation. Diese nehme die Rolle eines Bindegliedes von Forschung und Öffentlichkeit ein. Besonders in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen sei dies von großer Relevanz.  

Plädoyer für differenzierte Debatten und Medienkompetenz

Zu Bernard Pörksens Forschungsschwerpunkten gehören die öffentliche Kommunikation im digitalen Zeitalter. Sein Fokus liegt auf damit einhergehende Hürden wie Polarisierung, Empörungskultur und Desinformation. Mit Büchern, Interviews, öffentlichen Diskussionen und Vorträgen setzt er sich als Ziel, eine bessere und konstruktive Gesprächskultur zu fördern.

Der Preisträger Bernhard Pörksen hält seine Dankesrede. Bild: Charlotte Grabarits

In der Laudatio auf Bernhard Pörksen hob der Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit in einer Video-Message den nachhaltig positiven Einfluss Pörksens auf die Medienpraxis hervor. Er betonte, wie wichtig eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Medien für journalistische Qualität sei. Vor allem bezog er sich dabei auf Pörksens öffentliche Blatt- und Zeitkritik beim Spiegel selbst, die auch lang eingesessene Vorgehen im Journalismus hinterfragte und zu neuen Denkansätzen führen konnte. 

Pörksen selbst zeigte sich über den Preis sichtlich bewegt. In seiner Dankesrede sprach er von seinem Standpunkt im „Publizistischen Außenseitertum“ und plädierte somit für eine größere Vielfalt an Denkstilen in gesellschaftlichen Diskussionen.

Rechtsextremismus erklären und Einordnen 

Mit Rolf Frankenberger zeichnete die Universität einen Wissenschaftler aus, der mit seinen Projekten durch Interviews, Workshops, Vorträgen oder Publikationen direkt in gesellschaftliche Bewegungen hineinwirkt. Er forscht zu Rechtextremismus und dessen Radikalisierung in Gesellschaft und Politik und teilt gewonnene Erkenntnisse im öffentlichen Räumen.

Doch auch über persönliche Momente berichtete Frankenberger mit einem Augenzwinkern in seiner Dankesrede. So frage ihn auch seine Familie manchmal, ob er denn bitte nicht so „wissenschaftlich“ reden könne. Damit verwies er noch einmal humorvoll darauf, wie herausfordernd aber auch relevant es ist, komplexe Inhalte verständlich zu teilen.

Herausragende Kommunikationsarbeit junger Forschender

Auch Rachel L. Gunn wurde für ihre innovative Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet. Sie untersucht unter anderem, wie sich Umweltveränderungen auf marine Ökosysteme und die Interaktionen der darin lebenden Arten auswirken. In ihrer Wissenschaftskommunikation hinterlasse sie besonders durch den Einsatz verschiedener Medienformate einen bleibenden Eindruck. Dabei schaffe sie es in verschiedenen Kontexten wie in Schulen oder Freiwilligenorganisationen, oder auch in Online-Kursen komplexe Themen für jedermann zugänglich zu machen.

I do believe science isn’t really finished until it is communicated.

Rachel L. Gunn

Nicht selten wurde die Ökologin in ihren Laudationen für ihre einzigartigen und kreativen Herangehensweisen zur Vermittlung wissenschaftlich relevanter Themen als „brilliant young scientist“ gelobt. Darunter schätzten auch ehemalige Schüler*innen ihre Arbeit: „Zum ersten Mal als Student erlebte ich eine Vorlesung, die uns auf eine akademische Karriere vorbereiten sollte, die über reines Wissen hinausging.“

Rachel L. Gunn erhält den Preis für Wissenschaftskommunikation. Bild: Charlotte Grabarits

Ihre Danksagung schloss sie mit der Aussage, dass Wissenschaft nicht beendet ist, bevor sie kommuniziert worden ist. Damit unterstrich sie noch einmal, wie wichtig es ist, dass der Dialog zwischen Forschung und Öffentlichkeit auf Augenhöhe stattfindet. 

Wenn Forschung über den Tellerrand hinausschaut

So zeigt auch dieses Jahr wieder, wie Wissenschaft nicht im Labor oder am Schreibtisch endet, sondern überhaupt erst bei verständlicher Vermittlung beginnen kann: Sie prägt nicht nur das Leben im akademischen Umfeld, sondern nimmt Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft. Der Preis für Wissenschaftskommunikation appelliert an alle Forschenden, über Publikationen im Fachjargon hinauszuschauen und neue Erkenntnisse im gemeinsamen Dialog näherzubringen. So konnten auch die diesjährigen Preisträger*innen mit dieser Errungenschaft bei musikalischer Untermalung, großzügigem Buffet und klirrenden Sektgläsern gebührend gefeiert werden. Herzlichen Glückwunsch!

Beitragsbild: Charlotte Grabarits

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