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Die Zusammenlegung der Institutsbibliotheken

Die Institutsbibliothek des Instituts für Politikwissenschaft steht kurz vor dem Umzug. Sie soll mit den Bibliotheken der Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie zusammengelegt werden. Über dieses Vorhaben formierte sich Unmut und Frust in der Fachschaft. Sie fühlt sich von den Umzugsplänen der Universität hintergangen und möchte mitentscheiden. 

Bis vor kurzem wehte noch ein weißes Transparent an der Linde vor dem Institut für Politikwissenschaft in der Melanchtonstraße. In schwarzen und roten Buchstaben war darauf „100% Leistung aber 50% Bib?“ zu lesen: Hilferuf und Protestaktion der Fachschaft über die bereits begonnene Zusammenlegung der Institutsbibliotheken. Neben der Bibliothek der Politikwissenschaft sind ebenfalls die Buchbestände der Soziologie und der Wirtschaftswissenschaften von dem Umzug betroffen. Die Bücher aus allen drei Bibliotheken sollen sich dann in der Mohlstraße zusammenfinden, der Straße hinter dem Institut für Politikwissenschaft. Der Haken an dem Plan: Jede Büchersammlung muss um rund die Hälfte des Bestandes eingekürzt werden. Durch das Vorhaben möchte die Universität Flächen einsparen.

Der Weg von der Soziologie zu der neuen Bibliothek in der Mohlstraße 36. Grafik: Marcel Gnauck mit Google Earth
Eine neue Gemeinschaftsbibliothek

In der Mohlstraße soll die neue gemeinsame Bibliothek entstehen. Der Bestand der Soziologie ist bereits eingezogen. Bis Anfang des kommenden Jahres sollen auch die Bestände aus dem Institut für Politikwissenschaft dort einziehen, wie die Universität Tübingen der Kupferblau auf Anfrage mitteilt. Allerdings stehe ein genauer Umzugstermin noch nicht fest. Erst nach dem Einzug der politikwissenschaftlichen Bestände sollen die Bücher der Wirtschaftswissenschaften ihren Platz einnehmen. Auf diese Bücher haben die Studierenden schon seit der Bibliothekenschließung vor sechs Jahren keinen Zugriff mehr. Allerdings sollen die Bestände in Kürze per Mail bestellbar sein. Ein konkretes Datum nennt die Universität allerdings nicht.

Im Gegensatz zu den alten Bibliotheken soll die neue Institutsbibliothek moderner werden, unter anderem durch höhenverstellbare Schreibtische und Arbeitsplätze mit Sichtschutz. Ebenfalls sollen Gruppen- und Einzelarbeitsplätze entstehen. Durch die Zusammenlegung hofft die Universität, einen Synergieeffekt erzielen zu können. Darüber hinaus soll die gemeinschaftliche Bibliothek barrierefrei sein. Später soll diese Bibliothek auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten durch den Studierendenausweis für die Studierenden zugänglich sein.

Institutsbibliotheken ohne Studierende

Im Dachgeschoss des Instituts für Politikwissenschaft befindet sich die Institutsbibliothek. Über zwei Stockwerke reihen sich Bücher um Bücher in Regalen aneinander. Am Rand sind einige Arbeitsplätze zu finden, auf die durch die vielen kleinen Fenster warmes Sonnenlicht fällt. Im Interview mit der Kupferblau sprechen Theresa und Patrizia von der Fachschaft Politikwissenschaft über ihre Erfahrungen mit der alten Institutsbibliothek. Theresa schwärmt dabei besonders über die vielen Arbeitsplätze: „Man findet hier immer einen Platz, selbst in der Klausurenphase“ und Patrizia fügt hinzu, dass es in der Institutsbibliothek immer viel ruhiger sei als in der großen Uni-Bibliothek.

Immer wieder wird von der Universität das Argument vorgebracht, dass die Institutsbibliotheken kaum genutzt würden. Das bestätigt auch Theresa: „Ich glaube, dass man die paar Personen, die hier am Institut in der Bibliothek sitzen, auch gut in der neuen Bibliothek unterbringen kann.“ Als möglichen Grund für das fernbleiben der Studierenden führt sie aus, dass vor allem wegen Corona die Studierenden nichts von dieser Bibliothek wüssten. Ein ähnliches Bild erzählt auch Paris von der Soziologie-Fachschaft: „Viele Studierende aus dem Master haben mir erzählt, dass sie noch nie in der Institutsbibliothek waren.“

Viele Bücher werden in der neuen Bibliothek nicht mehr zu finden sein. Bild: Marcel Gnauck
Bücherflohmarkt

Für den Umzug müssen die Bestände erheblich gekürzt werden: Aus jeder Bibliothek darf nur rund die Hälfte des Bestandes mitgenommen werden, der Rest muss aussortiert werden. Bei den soziologischen und wirtschaftswissenschaftlichen Beständen ist dies bereits geschehen. Aussortiert werden sollen zum einen Dubletten. Das sind Bücher, die es in den Bibliotheken mehrfach gibt. Außerdem sollen einige Bücher durch E-Books ersetzt werden. Da dies wohl nicht reichen wird, werden auch Bücher, die die Lehrstühle als nicht mehr relevant erachten, aussortiert. Das bestätigt die Universität auf Anfrage gegenüber Kupferblau. Die Auswahl soll von den jeweiligen Fachbereichen durchgeführt werden.

Paris schildert im Interview, dass die Fachschaft dazu einen Bücherverkauf organisiert habe: „Der Verkauf war super, denn die ganzen Einnahmen hat die Fachschaft erhalten.“ Weiter führt er aus, dass er die Reduzierung nicht so schlimm fände, denn Grundwerke gäbe es „gefühlt hundert Mal“. Deutlich kritischer blickt die Fachschaft der Politikwissenschaft auf die Reduzierung des Bestandes. Patrizia befürchtet, dass es durch die Reduzierung von Standardwerken zu einem regelrechten Kampf in Klausurenphasen kommen könne. Die Studentin erzählt weiter: „Das Problem mit Onlinelizenzen ist, dass man manchmal nur eine begrenzte Anzahl an Seiten downloaden kann.“ Außerdem würden einige E-Books gegenüber der Druckversion des Buches eingekürzt werden.

„Die Kommunikation mit der Uni ist schlecht!“

Enttäuscht zeigt sich Theresa über das Vorgehen und die Kommunikation der Universität bei dem Umzug, da die Fachschaft ihrer Meinung nach nicht in den Entscheidungsprozess mit einbezogen worden war. Sie sagt: „Ich finde es sehr schwach von der Uni, wie sie den Umzug geregelt hat und jetzt auch immer noch so regelt.“ Patrizia merkt dazu an, dass die Fachschaft nur durch aktives Einfordern einen Platz am Runden Tisch erhalten hat, um in den weiteren Entscheidungsprozess mit einbezogen zu werden. Ein ähnliches Bild hat sich auch bei Paris gezeigt: „Von dem Umzug hat die Fachschaft erst kurz zuvor erfahren, sodass wir in wenigen Tagen den Bücherverkauf organisieren mussten“. Die Universität widerspricht der Darstellung. Sie teilt mit, dass die Pläne für den Umzug von den politikwissenschaftlichen Bestände bereits Mitte April in der Vorstandssitzung zur Diskussion gestellt worden seien. Bei dieser Sitzung war auch die Fachschaft anwesend.

„Ich schaue auf den ganzen Umzug sehr skeptisch und bin teilweise auch sehr wütend darauf. Wir Studis werden uns nicht mehr gegen den Umzug aussprechen, denn es ist viel mehr so, dass es zu diesem Zeitpunkt unnötig ist.“

Theresa, Fachschaft Politikwissenschaft

Ein weiteres Ärgernis für Patrizia ist der aus ihrer Sicht übereilte Umzugstermin. „Für mich ist das eine komplette Hauruck-Aktion“, sagt sie gegenüber der Kupferblau. Dabei blickt sie vor allem auf die Bibliothek der Wirtschaftswissenschaften. Diese wurde im Jahr 2017 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Sie plädiert dafür, zunächst die Wirtschaftsbestände in die neue Bibliothek aufzunehmen. Danach könnte die Universität immer noch die Bibliothek der Politikwissenschaft verlegen. Trotz aller Widrigkeiten hat die Fachschaft ihren Protest verstummen lassen, vielmehr versucht sie nun den Umzug aktiv mitzugestalten.

Ein neues Institut entsteht

Mit dem anstehenden Auszug werden zwei Etagen im Institut für Politikwissenschaft frei. Auf dieser Fläche sollen Büroflächen entstehen und das neue Institut für Rechtsextremismusforschung ein zu Hause finden, über das die Kupferblau bereits mit Rolf Frankenberger in einem Interview gesprochen hat. Durch den Umzug müsse die Universität keine neuen Räumlichkeiten zur Unterbringung der neuen Institution anmieten, teilt die Hochschule in einer Stellungnahme mit gegenüber der Kupferblau mit. Auf diese Weise möchte die Universität Emissionen einsparen und so Schritt für Schritt zur Klimaneutralität gelangen. Darüber hinaus muss die Universität im Rahmen der Flächenstrategie 2030 ihre Flächen reduzieren, um Geld durch die wegfallende Mieten einzusparen. Über die Sparmaßnahmen durch das Land berichtete Kupferblau beim Besuch des Finanzministers Bayaz (Grüne) letzte Woche.

Beitragsbild: Marcel Gnauck

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