Am Mittwoch machten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst vor der Neuen Aula ihrem Frust Luft. Die Mensen und Cafeterien des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim blieben wegen den Streiks geschlossen.
Gestreikt wurde anlässlich der zweiten Verhandlungsrunde der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi, nachdem die erste Verhandlungsrunde ergebnislos geblieben war. Dabei fordert diese eine Lohnerhöhung von sieben Prozent — diese muss aber einem monatlichen Plus von mindestens 300 Euro entsprechen. Für Auszubildende soll die Vergütung um 200 Euro steigen. Weiter wird deren unbefristete Übernahme verlangt. Von Seiten der studentisch Beschäftigten steht eine Forderung nach einer vollwertigen tariflichen Absicherung (Tarifvertrag für studentisch Beschäftigte — TV-Stud) im Raum. Zu Beginn der Kundgebung in Tübingen waren laut übereinstimmenden Medienberichten rund 300 Menschen vor der Neuen Aula versammelt.
Die Jugend hält zusammen
Während der Kundgebung kam der Nachwuchs zu Wort. Florian sprach für die Auszubildenden, gemeinsam mit Gamze, die TV-Stud vertrat. In den Verhandlungen erscheine es derzeit so, als ob sie den Nachwuchs gegeneinander ausspielen wollen würden. Indem Azubis symbolische Zugeständnisse gemacht werden, würde die Nachwuchs-Frage von Arbeitgeberseite als abgehakt gelten. „Statt uns Perspektiven und ein gesichertes Leben anzubieten, wollen die Arbeitgeber uns lieber auseinandertreiben“, sagte Florian. „Aber wir stehen hier zusammen für unsere Zukunft“, betonte Gamze.

Weiter bekräftigte Florian den Zusammenhang zwischen jenem Arbeitskampf und aktuellen politischen Krisen: „Unser Arbeitgeber ist der Staat ganz direkt. Da müssen wir uns fragen: Was hat das für einen Grund, dass der uns nicht mehr bezahlen will? Er braucht das Geld anderweitig, für Panzer, Drohnen, Soldaten und Kasernen. Dafür ist dann Geld da.” Diese Entwicklungen seien nicht im Sinne der Arbeiter*innen, schon gar nicht der jungen Generation, welche von Kürzungen, Klimakrise und Krieg in der Zukunft besonders betroffen sein würde.

Lilly, ebenfalls Vertreterin von TV-Stud, legte die Bedeutung dieser Forderung aus: Ein TV-Stud könnte einen höheren Stundenlohn bedeuten. Außerdem könnten Verträge, die mindestens zwölf Monate laufen zur Regel werden. Sie wünschte sich allerdings eine höhere Streikbeteiligung der Hilfswissenschaftler*innen. In diesen Beschäftigungsverhältnissen sei man oft auf sich allein gestellt, meinte Lilly.
Solidarität zwischen unterschiedlichen Belegschaften
Mit Stolz auf die Streikenden hielt Margrit Paal, Vorsitzende des universitären Personalrats, eine weitere Rede. Bei den astronomischen Mieten in Tübingen sei eine Lohnerhöhung für ein würdevolles Leben der Beschäftigten unabdingbar, so Paal. Weiter bekräftigte sie den starken Zusammenhalt unter den unterschiedlichen Belegschaften, die im öffentlichen Dienst tätig seien. Sie betonte, dass nur durch Zusammenhalt die Forderungen erreicht werden können.
Besonders konsequent streikten die Beschäftigten des Studierendenwerks. Dies hatte zur Folge, dass alle Cafeterien und Mensen an der Universität am Mittwoch geschlossen waren. Luca Furisch, Mitarbeiter der Mensa Morgenstelle, sprach von seiner Motivation, für mehr Lohn seine Arbeit niederzulegen. Er hoffe auf die Solidarität von Studierenden. Neben dem geringen Lohn sei auch der Personalmangel eine Belastung in der Essensausgabe. Seine Message an die Studierenden: „Beschwert euch bitte bei der Leitung, nicht bei uns. Wir können nichts dafür, dass zu wenig eingestellt wird.“

Sollte es in den kommenden Verhandlungsrunden erneut keine Fortschritte geben, kündigte Verdi weitere Aktionen an. Am Mittwoch machten die Beschäftigten deutlich, dass sie bereit sind, ihren Forderungen weiterhin Nachdruck zu verleihen.
Beitragsbild: Alba Ruiz Dunbar

