Wie bereits zwei Jahre zuvor haben Mitte November Unbekannte den kargen Campus auf der Morgenstelle mit Bäumen bepflanzt. Die Kupferblau hatte nun die Möglichkeit, mit einer der Personen hinter der Aktion zu sprechen.
Svenja* ist eine Tübinger Studentin. Mehr will sie uns aus Sicherheitsgründen lieber nicht verraten. Zusammen mit einigen anderen Studierenden hat sie sich im November zusammengetan, um in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Bäume auf dem Campus zu verpflanzen. Sie beschreibt ihre Aktionsgruppe als ein loses Bündnis aus organisierten, aktiven Studis – hauptsächlich von der Morgenstelle. Wie viele andere dort hätten auch sie sich an der großen Grasfläche gestört; aber dagegen auch etwas unternehmen wollen.
Die Idee zum Verpflanzen der Bäume sei durch die Aktion zwei Jahre zuvor entstanden. Die Verantwortlichen von damals kenne man zwar nicht, dennoch hätten sie daraus Inspiration gezogen. So habe es auch der Nachahmung der vorherigen Aktion gedient, das Bäumepflanzen mit einem gefälschten Statement der Universitätsleitung offiziell wirken zu lassen. Wie Svenja erklärt, habe man damit allerdings auch Kritik an der Universität ausüben wollen, welche dafür, dass sie dem Klimapakt der Stadt beigetreten ist, viel zu wenig an Klimaschutzmaßnahmen in die Tat umsetze.

Darauf habe auch ihr ganzes Vorhaben abgezielt, erklärt Svenja: Sie hätten einen Diskurs anstoßen wollen über den Klimaschutz an einer Universität, die viel verspreche, mit einzelnen Projeken werbe und sich hehre Ziele setze, dabei aber sehr unkonkret bleibe. „Dass sie sich Ziele setzen, heißt nicht unbedingt, dass sie diese umsetzen“, so Svenja. In Anbetracht der „deklatanten Fläche auf der Morgenstelle, die auch artenschutzmäßig ein Desaster ist“, sei eine erneute Baumpflanzaktion an selber Stelle daher naheliegend gewesen.
Hätten die Bäume wirklich weg müssen?
Auf Instagram, wo die Gruppe einem der 20 gepflanzten Bäume einen Account eingerichtet hat, habe es viel positives Feedback gegeben. Die Reaktion der Universität sei erwartungsgemäß, „aber nicht besonders inhaltsvoll“ gewesen, urteilt die selbsternannte „Sprecherin“ von Karl-Otto II. – so taufte die Gruppe den auf Social Media vertretenen Baum in Anlehnung an den vor zwei Jahren gepflanzten Baum, der von Studierenden irgendwann den Spitznamen Karl-Otto erhalten habe.
Dass die Universität sich damit überhaupt auseinandersetzen musste, verbucht sie jedoch als Erfolg und lädt zum Diskurs ein: „Alle Leute, die an der Uni angestellt sind, sind eingeladen, sich damit zu beschäftigen, wie man die Uni grüner gestalten und Klimaschutz an der Uni vorantreiben kann.“

Auf die Frage, ob sie zufrieden mit dem Verlauf der Aktion seien, zögert Svenja. Letztendlich hätten sie vor allem nicht damit gerechnet, dass die Bäume fast unmittelbar wieder entfernt würden. „Man hätte wenigstens gucken können, ob sie sich verwachsen.“ Die Universität begründe das Freihalten der Fläche unter anderem mit deren potenzieller Nutzung als Hubschrauberlandeplatz.
Svenja zweifelt die Glaubwürdigkeit dieses Arguments an und verweist darauf, dass sie die Bäume genau deswegen extra am Rand verpflanzt hätten. „Ich finde es ein bisschen frech, dass sie jetzt weg sind“, meint sie, immerhin hätte man auch andere Lösungen finden können. Am meisten aber störe sie, dass es keinerlei Ansätze zur Einbeziehung von Studierenden gebe um gemeinsam zu erörtern, „wie sie den Beton-Campus schöner haben können.“
Ob von ihrer Gruppe in Zukunft weitere Aktionen zu erwarten seien, lässt die Aktivistin offen. In absehbarer Zeit sei erstmal nichts geplant, das könne sich aber natürlich schnell ändern.
*Name von der Redaktion geändert
Beitragsbild: privat

