Politik

Nein zum Erdgas: Fridays for Future protestiert gegen Energiepolitik von Bundesministerin Reiche

Freitag vergangene Woche protestierten Menschen in Tübingen gegen die Energiepolitik der Bundes-Wirtschaftsministerin Reiche (CDU). Hauptkritikpunkt war der vorgesehene Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland. Die Organisator*innen der Kundgebung brachten dabei ihre Meinung besonders kreativ zum Ausdruck.

Eine satirische Inszenierung eröffnete die Kundgebung, gefolgt von zwei Redebeiträgen jeweils von Parents for Future und Fridays for Future (FFF). Scharfe Kritik wurde am geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland geäußert. Darüber hinaus kritisierten Redner*innen Teilnehmende die strukturelle Benachteiligung erneuerbarer Energien im Rahmen der Energiewende, die das Vorhaben der Bundesministerin zur Folge hätte.

Schild zeigt Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche (CDU) vor Gaskraftwerken und den Aufruf „Frau Reiche, es reicht!“. Bild: Sebastian Hoffmann

Bundesministerin Reiche brennt die Erde nieder: eine satirische Inszenierung

Zu Beginn der Kundgebung wurden die Protestierenden darum gebeten, sich an die Organisator*innen anzunähern. Auf einem Holzstativ saß vor ihnen ein Pappmaschee der Erde mit jeweils im Grün und Blau eingezeichneten Festland und Ozeanen. Eine als Katharina Reiche verkleidete Person in Maske und Perücke trat auf mit einem Flammenwerfer in der Hand.

Mit munterer Stimme erzählte die vermeintliche Bundesministerin von ihren Plänen und warf dabei die ersten Flammen. Sie schwärmte für Verbrenner-Autos und für Gaswärmepumpen. Dabei traf das Feuer weiter auf die Bastelei. Diese erneuerbaren Energien, dieser Eco-Quatsch, damit sei es endlich zu Ende.

Satirische Inszenierung von Bundesministerin Katherina Reiche (CDU), in der sie die Erde abfackelt. Bild: Thomas Dinges (aus Fridays for Future)

Ein Demo-Teilnehmender rief umsonst „Reiche, es reicht!“ – zu spät, die Erde saß nur noch verkohlt auf dem Pfahl. Mit Wasser bereitstehende Organisator*innen in gelben Westen Wasser löschten das Feuer. Nun war von der Erde nichts mehr zu sehen.

Der Pfarrer der Gemeinde Tübingen Weilheim ist ein aktiver Befürworter der Windkraft und nahm an der Kundgebung teil. Er beschrieb die Szene auf Nachfrage als „sehr eindrucksvoll“. Es sei ihm vorgekommen, als wären die Teilnehmer*innen Astronaut*innen der Zukunft. Als solche müssten sie aufgrund der verspäteten Energiewende machtlos eine Erde beobachten, die komplett den Flammen ausgeliefert ist.

Von Lobbyismus bis hin zur verfehlten Klimaneutralität: der Redebeitrag von Fridays for Future

Der satirischen Inszenierung folgte nach einigen Sprechchören der Redebeitrag von FFF. In diesem nahm FFF Anstoß am Vorhaben der Bundesministerin Reiche, den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland für eine Zeitspanne von 15 Jahren staatlich zu fördern. Zusätzlich wurde der Bundesministerin im Zuge dessen Lobbyismus mit der Gas-Branche auf Kosten der Bürger*innen und zulasten des Ziels der Klimaneutralität vorgeworfen.

Ein Schild listet die Kosten der Politik der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche (CDU) auf. Bild: Sebastian Hoffmann

Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien und innovative Technologien, etwa Speichertechnologien oder das Demand-Response-System, würden mit den aktuellen Plänen der Bundesministerin beträchtlich marktwirtschaftlich benachteiligt. Diese seien aber unerlässlich für die Energiewende. Weiter warf FFF der Bundesministerin vor, Verunsicherung unter der Bevölkerung und den Unternehmen zu verbreiten und Deutschland von Importen fossiler Brennstoffe abhängig zu machen.

Ein Aufruf zu internationaler Zusammenarbeit: der Redebeitrag von Parents for Future

Nach einer kurzen Einordnung zum Thema Energiewende in Deutschland, ging es im Redebeitrag von Parents for Future um gute Nachrichten. Gefeiert wurde die im vergangenen März vom Klimaausschuss der Universitätsstadt Tübingen beschlossene Unterstützung des Fossil Fuel Treaty. Dabei handelt es sich um ein internationales Bündnis, das auf die Ausarbeitung völkerrechtlich verbindlicher Vereinbarungen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hinarbeitet. 

[…], es ist wichtig, dass wir uns an die Seite der Völker und der Staaten stellen, die von der Klimakrise am meisten bedroht sind.

Parents for Future

Die Rednerin wies außerdem auf die Klimakonferenz in Kolumbien hin, die am Tag der Kundgebung begann und deren Ziel die Ausarbeitung eines Fossil Fuel Treaty war. Es sei wichtig, diesem Weltereignis Aufmerksamkeit zu schenken und andere Gemeinden zur Unterstützung des Fossil Fuel Treaty zu bringen, denn die Klimakrise sei nur durch die internationale Zusammenarbeit zu überwinden.

Weitere Initiativen für das Klima: das Ende der Kundgebung

Am Ende der Kundgebung verwies die Organisation auf die Veranstaltungen in Tübingen von Ende Gelände. Besucht werden können noch die Veranstaltung Vortrag über Klima und Krieg am 04.05. im Linken Zentrum Trude Lutz besuchen. Und den Menschen, die Interesse am Mitmachen bei FFF Tübingen hätten, stünden die Türen zu den wöchentlichen Plena mittwochs 18-20 Uhr im Clubhaus offen.

Beitragsbild: Thomas Dinges

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