Ende Januar widmete das Sudhaus Tübingen dem Gitarristen und Singer-Songwriter Eric Clapton zwei volle Abende. Gelang es der Clapton-Tribute-Band, das Feeling des Musikers auf die Bühne zu bringen?
Eric „Slowhand“ Clapton zählt noch bis heute zu einem der einflussreichsten Musiker der Musikgeschichte. Nicht nur durch seine eigenen Hits wie Layla, Tears in Heaven oder White Room. Auch viele seiner Cover wurden zu Hits und er lieh beispielsweise den Beatles auf ihrem White Album seine Fähigkeiten als Gitarrist. 2003 setzte das Musikmagazin Rolling Stone Eric Clapton auf Platz 2 der größten Gitarristen aller Zeiten.
Den Spitznamen Slowhand erhielt Clapton zu seiner Zeit bei der Band The Yardbirds (1963–1965), als dieser auf der Bühne öfters mal seine Gitarrenseiten wechseln musste und von den Zuschauer*innen dabei mit langsamen Applaus begleitet wurde.
Zwischen Genres und Jahrzehnten
Dass Claptons Musikkatalog vielseitig ist und nicht nur, wie angenommen, aus Bluesrock besteht, zeigt die Gruppe LAYLA – The Eric Clapton Tribute Band im Sudhaus schnell. Angefangen mit seinem Hit Sunshine Of Your Love aus seiner Zeit in der Supergroup Cream aus den späten 60er Jahren. Mit diesem Psychedelic-Rock-Track brachten die Musiker*innen auf der Bühne etwas Sommergefühl in das kalte Tübingen.
Nicht nur die Songs aus Eric Claptons Feder standen auf dem Programm, sondern auch unter anderem die von Jimi Hendrix, welcher auf den ersten Platz der Liste der größten Gitarristen vom Rolling Stone gekürt wurde. Seinen Hit Little Wings performte die Coverband mit einer gewissen Blues-Note.

Es blieb jedoch nicht nur psychedelisch und die Gruppe wechselte mit Bob Marleys I Shot The Sheriff ins Reggae-Genre. 1974 veröffentlichte Eric Clapton seine Version des Liedes auf seinem dritten Soloalbum 461 Ocean Boulevard. Auf demselben Album landete auch seine eigene Interpretation des Gospel-Blues-Songs Motherless Children welcher erstmals 1927 veröffentlicht wurde und welchen die Band später performte.
Gänsehautmomente
Emotional wurde es dann bei den ersten Klängen von der Ballade Tears In Heaven. Clapton verarbeitete darin 1991 den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes. Die Musiker*innen auf der Bühne brachten diese Emotionen greifbar ins Publikum. Besonders die Stimme der Sängerin Christiana transportierte dieses Gefühl authentisch.
Es blieb weiter atemberaubend: Der Gitarrist Jochen Bruche erzählt vom Eric Claptons Crossroads Festival, einem Benefizfestival, bei dem Spenden für das Suchttherapiezentrum Crossroads Center gesammelt werden. Clapton präsentierte dort nicht nur die eigenen Songs, sondern auch die seiner Lieblingskünstler*innen. Einer dieser Künstler ist der 2016 verstorbene Musiker Prince und sein ikonischer Track Purple Rain aus dem Jahr 1984, welcher wenig später durch den Raum erklang. Gesungen wurde diesmal vom Gitarristen Jan Sinapius.

Der größte Gänsehautmoment war jedoch, als das eine, unverwechselbare Gitarrenintro aus Eric Claptons Musikkatalog angestimmt wurde: Der Song Layla, den Eric Clapton 1970 mit der Band Derek and the Dominos veröffentlichte, handelt von Claptons unerwiderten Liebe zu dem britischen Model Pattie Boyd, welche zu dem Zeitpunkt mit Claptons bestem Freund George Harrison von den Beatles verheiratet war. Doch bereits beim Anstimmen des Songs, schien etwas nicht zu funktionieren.
Das ist Live Musik
Gerade als das ikonische Gitarrenintro begann, auf das das Publikum sehnsüchtig gewartet hatte, unterbrach der Leadgitarrist den Song. Es wurde falsch eingezählt. „Wenn schon Layla, dann richtig!“, rief Sinapius ins Publikum, und die Band fing mit dem richtigen Einzähler vom Schlagzeuger erneut an. Der Stimmung schadete der Vorfall jedoch nicht, sogar das Gegenteil: Solche Momente machen Live-Musik eben so besonders, wie sie ist. Das zeigte auch die nächste Panne.

Nachdem sich die Zuschauer*innen nach der Pause wieder im Saal versammelt hatten, performte die Gruppe den Song Motherless Children. Doch schnell fiel auf, wie der Leadgitarrist mit seinen Händen gestikulierte und dem Techniker mitteilte, dass er nichts hören kann. Währenddessen spielte er jedoch nahezu perfekt weiter als wäre nichts. Noch während des Songs wurden die Technikprobleme gelöst und der Techniker erhielt anschließend Applaus von Band und Publikum. „Das ist Livemusik!“, kommentierte Sängerin Christiana die Vorfälle.
Applaus über Applaus
Ihr Set schloss die Band mit dem Hit With A Little Help From My Friends von den Beatles ab. Eric Clapton coverte den Song öfters, unter anderem mit dem Sänger Joe Cocker und dem Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page. Noch während die letzten Töne erklangen, schallte es durch den kleinen Konzertsaal voller Applaus. Dieser hörte auch nicht auf, als sich die Band verabschiedete und ihre Instrumente ablegte.

„So können wir euch nicht gehen lassen“, rief der Rhythmusgitarrist Bruche ins Publikum und die Band gab noch drei weitere Zugaben, unter anderem die Cream-Hits Sunshine Of Your Love und White Room. Nachdem sich die Band jedoch endgültig verabschiedet hatte, spürte man immer noch deren Energie und die Zuschauer*innen summten beim Verlassen des Saales weiter.
Layka brachte den Geist von Claptons Musik perfekt herüber und zeigte durch ihre gemischte Besetzung eine musikalische Vielfältigkeit. Ein Besuch bei einem Konzert dieser Band ist nicht nur etwas für eingeschworene Fans von Slowhand, sondern auch für die, die meinen, nicht viel mit seiner Musik anfangen zu können.
Beitragsbild: Paul J. Greiner

