Wissenschaft kann auch lustig sein — dabei waren sich die Slammer*innen und das Publikum einig. Aber was ist ein Science Slam und was macht diesen so unterhaltsam?
Dass der Club im WHO randvoll mit Studierenden gefüllt ist, ist erstmal keine Seltenheit. Doch Mitte Januar standen nicht Party und Musik im Mittelpunkt, sondern… Studiengänge! Aber muss das sein? Außerhalb der Uni weiter darüber reden? Hierbei ist entscheidend, WIE darüber gesprochen wird.
Aléxandros moderierte den Wettbewerb, der vom Campusmagazin Kupferblau gemeinsam mit Engage Tübingen ausgerichtet wurde. Zehn Studierende präsentierten auf humoristische und doch informative Art und Weise ihre akademische Laufbahn oder (aktuelle) Forschung. Zum Schluss ermittelte das Publikum per Applaus den oder die Gewinner*in.
Zwischen Glatzen und Arztkittel
Moderator Aléxandros hielt zunächst selbst einen Vortrag mit dem Titel „Why Baldness is better“; in Anlehnung an den Griechen Synesios von Kyrene. „Baldness is wise and good”, so das Vortragsmotto.

Der Wettbewerb selbst startete mit der Spanierin Ana, die Biotechnologie studiert. Passend dazu in einen weißen Arztkittel gekleidet präsentierte sie ihre Forschung über Hautkrebs und zwei bestimmte beteiligte Proteine — natürlich nicht auf überzogen lustige Weise bei so einem doch ernsten Thema, aber mit Augenzwinkern an vielen Stellen. Ihr dringender Tipp: unbedingt und immer Sonnencreme im Sommer nutzen!
15. Semester und Croissants
Marlene aus Deutschland studiert im 15. Semester Französisch und berichtete von ihrer ursprünglichen Erwartung an das Französisch-Studium: den Tag stets mit warmen Croissants zu beginnen und der später harten, davon abweichenden Realität. Das Publikum solle aus ihren Fehlern lernen.
Ein Highlight für die Zuschauenden waren ihre Lieblingsausdrücke auf Schwäbisch sowie ihr Vergleich von Französisch und Créole, der Sprache der Karibikinsel Martinique. Am Ende betonte Marlene, dass die Solidarität zwischen den Studierenden das allerwichtigste überhaupt sei. Ohne das hätte sie das Studium nicht geschafft.
Chillen auf der Sternwarte
Der nächste Referent war Anirudh aus Indien, der Astronomie und Astrophysik studiert. Sein Thema lautete „Exploring the Universe from Tübingen: What it means to be an Astronomist“. Dazu schilderte er seinen Alltag an der Sternwarte. Das Klischee scheint er ein wenig zu erfüllen. Oft sitzt er bis tief in die Nacht am Teleskop um den Sternenhimmel zu beobachten. „Most stuff we did was chilling“, war sein Fazit — das wiederum alle zum Lachen brachte.
Feministisches Finnland
Dann folgte Jana, die Medienwissenschaft und Philosophie studiert. Ihr Vortragsthema lautete, wie sich die Lebensrealität von Frauen in Deutschland und Finnland unterscheidet — zugleich die These ihrer Bachelorarbeit. Für die Recherche zu ihrer Bachelorarbeit lebte sie sogar einige Zeit in Finnland.
Zu Beginn lächelte dem Publikum auf der PowerPoint-Folie ein riesiges Bild von Friedrich Merz entgegen, das ohne jeglichen Kontext und Kommentar für lautes Gelächter im Kuckuck sorgte. Das leitete Janas „Germany Equality Quiz“ ein, indem sie eindrücklich mit Quizfragen Deutschlands Defizite bei der Gleichberechtigung zeigte. Das Fazit ihres Vortrags: Deutschland könne sich in Sachen Gleichberechtigung noch eine ganze Menge bei Finnland abschauen.
Von Mikrowellen, Dogwhistles und der Siegerin
Der erste Vortrag nach der Pause gehörte Bernd. Der Journalist beim Science Notes Magazine aus Tübingen erzählte vom „Best Thing about being a Journalist“: den besonderen Orten und Menschen, die man so kennenlerne. So sei er unter anderem schon ins Himalaya-Gebirge und nach Indien gekommen. Sein Vortragsthema hieß „It’s Beamtime Baby / One Night in Bessy“. Dies ist der Name des großen Elektronenbeschleunigers in Berlin, der Mikrowellenstrahlung nutze, um Elektronen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit zu bringen. Durch diesen Vorgang werde brillantes UV- und Röntgenlicht emittiert, mit dem Forscher Materie untersuchen könnten.

Weiter folgten die Slammer*innen Pascal, Lea, Giove und Nadine. Mit ihrem Vortrag über Dogwhistles — „geheime“ Zeichen in der rechtextremen Szene — konnte Nadine das Publikum für sich gewinnen und damit den Sieg einholen.
Persönliche Stimmen
Im persönlichen Gespräch mit Ana and Anirudh erzählten beide, dass dies ihr erster (und bestimmt nicht letzter!) Science Slam sei. Ihnen gefalle die Vielzahl an verschiedenen Themen und Eindrücken; man lerne viel Neues.
Auch Max aus Berlin, der im dritten Semester Philosophie studiert, gefiel der Science Slam gut. Er könne es sich gut vorstellen, beim nächsten Slam ebenfalls teilzunehmen. Er genieße das Gefühl, eingeladen zu sein und neue Einblicke zu erhalten. Ansonsten sei ja jeder irgendwo in seiner „Bubble“ mit Leuten aus dem gleichen Studiengang.
Ausblick
Die nächsten Termine fürs Student-Science Slam stehen bereits fest: der 20. April, der 18. Mai, der 15. Juni sowie der 20. Juli. Wer einen Vortrag halten möchte, sollte sich frühstmöglich mit den Veranstalter*innen in Kontakt setzen — gerne via Instagram.
Beitragsbild: Celine Glöckner

